Achtsamkeit ist im Umgang mit Kindern ein großes Thema. Darauf gestoßen bin ich durch Traumreisen, die ich zunächst als Mittagsschlafersatz für meine eigenen Kinder entdeckt hatte. In dem Buch Bleib bei mir, wenn ich wütend bin hatte ich dafür viele Anregungen und Anleitungen zur Durchführung gefunden. Später habe ich begonnen Traumreisen bzw. Fantasiereisen (der Begriff wird Synonym verwendet, wenn es mir inhaltlich nicht um Ausruhen geht, sondern um das Anregen der Fantasie im Sinne meiner Kunstkinder Kurse, verwende ich lieber den Begriff Fantasiereise. Dieser ermutigt Kinder mehr als Traumreise, weil sie das mit „schlafen müssen“ assoziieren.) in meine Kunstkinder Kurse zu integrieren. Wie ich Fantasiereisen erfolgreich mit Kunst verbinde und in meine Kurse für Kinder einbaue, könnt ihr im Blog noch einmal nachlesen. In dem Artikel Fantasiereise im Sommer findet ihr auch einen Auszug, einer Traumreise, die ich selbst geschrieben habe, der als Anregung für eigene Texte dienen kann.

Achtsam mit Kindern leben

Das Thema Achtsamkeit erscheint mir in der Arbeit mit Kindern (und im normalen Familienalltag) zunehmend wichtiger zu sein bzw. ist die zunehmende Besinnung darauf heute wichtiger denn je. Um mich näher mit diesem Thema zu befassen habe ich das E-Book von Nils Altner Achtsam mit Kindern leben: Wie wir uns die Freude am Lernen erhalten. Ein Entdeckungsbuch. gelesen. Das Buch ist im Kösel Verlag erschienen. Was mir bisher an allen Büchern des Verlags positiv aufgefallen ist, ist der praktische Ansatz. Alle Bücher enthalten immer konkrete und handfeste Ideen, die direkt (und mit wenig Material und Aufwand) umgesetzt werden können, so auch dieses.

„Die Kindheit ist ein Land, ganz unabhängig von allem. Das einzige Land, in dem es Könige gibt. Warum in die Verbannung gehen? Warum nicht älter und reifer werden in diesem Lande?“

Rainer Maria Rilke

Der Autor schildert den Jetzt Zustand der meisten Erwachsenen, hetzen von Termin zu Termin, getrieben von äußeren Zwängen ohne bwusste Pausen. Das Resultat dieser Schnelllebigkeit ist die mangelnde Fähigkeit im Hier und Jetzt zu verweilen, sich des Augenblicks bewusst zu werden. Wie eine Fast-Forward-Taste schein gedrückt und das Leben rauscht vorbei. Demgegenüber stehen Kinder, die beim Entdecken ihrer Umwelt schienbar alle Zeit der Welt haben oder sich diese nehmen. Völlig versunken im Augenblick, zählt jeder einzelne Moment.

Das Buch richtet sich an Erwachsene, die aufgefordert werden ihre vorhandenen Muster zu hinterfragen und bestenfalls zu durchbrechen. Meditationen, Gedankenreisen, kurze Fragebögen und andere praktische Übungen führen auf diesen Weg und leiten alle die, die mit Kinder zu tun haben (ob beruflich als Pädagogen oder privat als Eltern, Großeltern usw.) auf diesem Weg.

Das Buch ist absolut zu empfehlen für genau diese Zielgruppe. Derzeit ist es nur antiquarisch oder als E-Book zu bekommen. Ich selbst habe es als E-Book gelesen und war sehr angetan. Gerade zum immer wieder nachblättern und auch gezielten suchen nach einzelnen Übungen empfehle ich in diesem Fall das E-Book, der wirklich toll aufbereitet ist und so viel mehr ist als eine schlecht digitalisierte Variante (was bei anderen E-Books schon hin und wieder der Fall ist).

Immer ist Jetzt

„Als Kind lernen wir mit allen Sinnen. Je älter wir werden, desto weniger sinnlich wird unser Bezug zur Welt, zueinander und zu uns selbst. Unser Geist begnügt sich dann immer öfter damit, Erinnerungen an vergangene Sinneserfahrungen abzurufen, anstatt erneut Aufmerksamkeit in das Erlebnis der aktuellen Situation zu investieren. Da wir jedoch unsere Aufmerksamkeit willentlich richten und halten können, haben wir jederzeit die Möglichkeit, unsere Welt wieder sinnenfroh zu betreiben.“

Altner gibt konkrete Anleitungen wie mit einer kleinen Übung sofort mehr sinnliches Erleben in den Alltag zieht. Mich spricht dieser Ansatz sehr an, denn exakt diesen alle Sinne anpsrechenden Diskurs versuche ich in meinen Kursen umzusetzen. Mir geht es in erster Linie darum bei den Schulkindern die Sinneswahrnehmungen zu fördern. Doch tatsächlich ist es auch für mich immer wieder eine Hinwendung zur eigenen Achtsamkeit, ein Ankommen im Hier und Jetzt.

Bewusst Sehen

Das, was ich als aktiv Sehen bezeichne, kommt im Buch ebenfalls zur Sprache. Bewusst Sehen oder achtsam Sehen ist für mich die Grundvoraussetzung für ein zusammenhängendes Verständnis von Kunst, Gesellschaft, Geschichte und Alltag. Im Buch ist eine Achtsamkeitsübung empfohlen unter dem Titel Augen-Blicke. Diese Übung leitet zum aktiven Sehen an und nutzt dafür als Beispiel einen Raum mit einem Fenster (einem Rahmen also). Diese Übung adaptiere ich ins Museum, eine Galerie oder einen Raum, in dem ein gerahmtes Kunstwerk hängt. Ein Spiel zwischen bewusster Fokussierung und Konzentration auf das Bild beginnt, das später im eigenen Kopf, im Raum und im Hier und Jetzt endet. Es lässt völlig neue Seh-Erkenntnisse beschreibbar werden. Mich faszinieren Übungen wie diese, die simple sind, Fantasiereisen gleich und doch viel weniger Impulse von außen benötigen.

Das Buch ist eine Entdeckungsreise, vor allem zu sich selbst. Ich empfehle es nicht nur, weil ich die Übungen mag und etwas abgewandelt auch mit meinen Kunstkindern durchführe, sondern vor allem weil es ein Buch für Erwachsene ist, das exakt den Ansatz verfolgt, den ich in meinen Kurse suche: Die eigenen Sinne aktiv nutzen, um mehr von der Gegenwart, der Umgebung, unserer Lebenswelt zu erfahren.

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