Solange ich studiert habe und wissenschaftlich geforscht habe, war das Thema Bildrechte nie relevant. Für den wissenschaftlichen Diskurs gibt es „Sonderrechte“, die beispielsweise für Hochschulschriften das Abdrucken von Bildern erlauben ohne sich dafür gesonderte Genehmigungen einzuholen.

Mit dem Start des artTEXTart-Blogs war für mich klar, dass dieser zwei Standbeine haben sollte. Das ergab sich folgerichtig aus meinem Betätigungsfeld. Zum einen sollte es um Kunstvermittlung gehen. In meinen Kunst-Sehen-Workshops leite ich zum aktiven Sehen an. Im Blog erhalten Interessierte einen Einblick in meine Arbeit und können sich vorab ein Bild dieser Kurse machen. Zum anderen wollte ich aktuelle Ausstellungen im Kreis Wetzlar vorstellen, vor allem als Anreize diese zu besuchen. Ich biete Eröffnungsreden an, schreibe Texte wie beispielsweise Werkbetrachtungen für Künstler und Institutionen. Über aktuelle Kunst zu berichten gibt einen  Einblick in dieses Teilbereich meiner Arbeit. Und genau das soll mein Blog sein – der Spiegel dessen, was ich als Kunsthistorikerin tagtäglich um mich habe. Betrachte ich aktuell meinen Blog wächst das erste Standbein und ist schon recht muskulös. Hauptsächlich geht es um Kunstvermittlung für Kinder, weil das meine derzeitige Hauptarbeit ausmacht. Das zweite Bein bleibt schmal. Warum? Es liegt nicht daran, dass es keine berichtenswerten Ausstellungen gibt. Im Gegenteil! Es liegt auch nicht daran, dass ich diese nicht besuche. Im Gegenteil! Es liegt schlicht und allein an der Schwierigkeit und den Anstrengungen, die hinter der Beschaffung der Bildrechte stehen.

Ganz ehrlich – ein Kunstblog und speziell Berichte über Ausstellungen, Künstler oder Veranstaltungen leben von Bildern. Es ist das geschriebene Wort, das diese Bilder begleitet. Aber es ist das Bild, das die Aufmerksamkeit und die Bereitschaft zum Lesen weckt oder zumindest unterstützt. Ein (Kunst-)Blog ohne Bilder ist lahm. Wie über etwas Schreiben, das der Leser nicht sieht? Das Studium lehrt schon die allererste Hausarbeit mit einem Abbildungskatalog zu versehen.

Bei Ausstellungen zeitgenössischer Künstler, die abseits von Metropolen wie etwa Frankfurt einen Großteil der gezeigten Werke ausmachen, ist kein einziges Werk gemeinfrei. Alle Bildrechte obliegen dem Künstler oder Erbengemeinschaften, Verwertungsgesellschaften oder anderen Institutionen. Wer glaubt, dass mit dem Erwerb eines Kunstwerkes auch der Erwerb der Bildrechte verbunden ist, der täuscht sich. Der Sammler entscheidet nicht, ob das bei ihm in Besitz befindliche Kunstwerk in einer Publikation, einem Blog oder gar einer Einladungskarte für eine Vernissage gezeigt werden darf. Nun könnte man zwangsläufig der blauäugigen Annahme unterliegen, dass der Bildrechteinhaber, also der Künstler, aus ganz eigennütziger Intension (Eigenwerbung, um beispielsweise des Bekanntheitsgrad zu erhöhen oder den Verkauf anzukurbeln) einverstanden ist, dass über ihn berichtet wird und er deshalb die Bildrechte für einen speziellen Zweck gern freigibt. Tatsächlich ist dem aber nicht so. Auch die Verhandlung mit den Nachlassverwaltern ist oft haarsträubend und bisweilen nicht nur ernüchternd, sondern beleidigend. Diese Erfahrung musste im letzten Jahr die Kunsthalle in Memmingen machen als sie eine Ausstellung Günther Förgs realisierte und diese mit nicht einem einzigen Bild ankündigen durfte und ersatzweise auf eine grafische Lösung mit dem Namenszug ausweichen musste.  Auch die Besucher der Ausstellung wurden darauf hingewiesen, dass jede Veröffentlichung von Bildern, beispielsweise in Sozialen Netzwerken, unerlaubt ist und deswegen davon abgeraten wird.

Dieses kleine Beispiel gibt einen Eindruck wie schwierig ist es Bildrechte zugesprochen zu bekommen. Die in Galerien ausstellenden Künstler übertragen die Bildrechte zur Vermarktung oft den Galeristen. Darüber hinaus werden aber oftmals keine Genehmigungen erteilt. Zu viel Aufwand? Zu wenig Überblick wer darf und wer nicht? Keine Ahnung was dahinter steckt.

Blogger halten ihre Beiträge in der Regel aktuell. Nach einer Vernissage folgt meist innerhalb von wenigen Tagen der passende Blogpost. Da bleibt keine Zeit lange schriftliche Genehmigungen einzuholen. Ist der Künstler auf gezielte Ansprache nach einem Foto und der Möglichkeit dieses zu veröffentlichen geziert, dann wird es schwierig, kompliziert und haarsträubend mit den Bildrechten.

Einige Ausstellungen habe ich in letzter Zeit besucht, auch fotografiert. Auch darüber geschrieben. Und dann nicht veröffentlicht. Warum? Weil ich auf Face-to-Face-Nachfrage beim Bildrechteinhaber keine eindeutige Aussage bekommen habe. Ein klares Nein ist deutlich, damit kann ich leben. Ein klares Ja wäre mir lieber. Aber ein „mal sehen, vielleicht später“ ist unklar und dann verzichte ich auf die Veröffentlichung. Aus diesem Grund wird im artTEXTart Blog das eine Bein kräftiger und kräftiger und das andere bleibt schmal, hinkt und wird hinterhergeschliffen. Schade drum.

Das ist wohl nicht nur bei mir so. Kunsthistorikerin und Vorreiterin in Sachen digitale Kulturvermittlung Tanja Praske von Kultur Talk hatte ich gefragt wie sie mit Bildrechten in diesem speziellen Fall umgeht. Lest ihre vollständige Antwort in ihrem Beitrag, der weitere 10 impulsgebende Fragen enthält mit wirklich spannenden Antworten. Sie verweist darin auch nochmal auf die lesenswerten Beiträge vom Direktor des Marta Herford Museums, Roland Nachtigäller, und Angelika Schoder von Musermeku zum Thema Bildrechte.

 

Auf Facebook tut sich einiges. In Reaktion auf das Teilen dieses Blogposts kam der Verweis auf einen Artikel zum Thema Bildrechte und Social Media Nutzung dieser vom Bloggerclub e.V.. Danke dafür.

 

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