Für meine Kunstvermittlungsarbeit hat sich als Schwerpunkt die Tätigkeit mit Kindern ergeben. Schule AGs, Kindergeburtstage und Veranstaltungen zu bestimmten Kulturtagen haben zu dieser Schwerpunktsetzung beigetragen. Klar biete ich weiterhin Kurse für Erwachsene an und kann für Firmenveranstaltungen oder einmal etwas andere Weihnachtsfeiern nur empfehlen sich auf einen Kunst-Sehen-Abend oder –Nachmittag einzulassen. Dennoch bin ich glücklich schon bei den Jüngsten Kunst vermitteln zu dürfen, auch weil ich selber immer wieder neue Impulse aus einer völlig anderen Blickrichtung erhalte.

Immer wieder kommen die Eltern meiner Kunstkinder auf mich zu und fragen, ob sie ähnliche Dinge nicht einfach zuhause mit ihren Kindern machen können, als Überbrückung der Wartezeit auf den nächsten Kurs. Einerseits freut mich diese Art von Feedback und andererseits bestätigt sie mich meinen Blog weiterzuführen, der unter anderem genau diesen Zweck hat. Auf meinen Blog verweise ich bei diesen Fragen und gleichzeitig sehe ich die Erwartungshaltung der Eltern nach einer Art Handbuch, gern auch zum Blättern in realer und nicht virtueller Form, die konkrete Aufgaben und Tipps an die Hand gibt. Leider muss ich an diesem Punkt enttäuschen, es gibt kein Buch, das exakt meine Methode der Kunst-Sehen-Workshops wiedergibt. Meine alle Sinne ansprechende Vermittlungsmethode habe ich selbst konzipiert und erarbeite ständig neue didaktische Ansätze, die ich in den Kurse ausprobiere, variiere, erweitere oder auch gnadenlos streiche. Ein Basiswerk zur Einführung in die Sinneswelten, das ich gern verwende, stelle ich in meinem Artikel Sinneswelten vor.

Neben klassisch kunsthistorischer Pflichtlektüre zu Alltagsthemen, neueren Forschungsansätzen und aktuellen Ausstellungskatalogen lese ich sehr viel über Wahrnehmungsschulung, Didaktik allgemein, kindliche Bildsprache, Pädagogik und Psychologie. Dabei „treffe“ ich immer wieder Bücher, die ich guten Gewissens als Basis für eine kreative Arbeit mit Kindern zuhause oder eine Auseinandersetzung mit Kunst für die ganze Familie empfehlen kann. Immer wieder ist mir wichtig zu betonen, dass es wenig Pflichtmaterialien und vor allem Pflichtlektüre gibt. Die gemeinsame Beschäftigung und vor allem die Freude dabei sollten im Zentrum stehe und nicht das 1:1 Umsetzen von Buchvorschlägen. Trotzdem gibt es einige Grundlagen, die ungemein bereichernd sind und die ich Eltern deshalb empfehle.

Dialektische Ideen für Kleinkinder und Grundschulkinder

Das Buch Die Bildsprache der ersten Jahre verstehen von Renate Gier empfehle ich allen Eltern meiner Kunstkinder sehr gern. Dieses Buch aus dem Kösel Verlag vereint Grundlagenwissen, das für Eltern wirklich brauchbar und interessant ist, mit handfesten Tipps und Ideen zur kreativen Beschäftigung mit Kindern. Alle Anregungen sind dabei als Basis zu verstehen, so dass sei gut mit etwas Witz und Idee verändert und in andere Kontexte übertragen werden können.

Das Buch ist in drei Bereiche gegliedert. Der erste Teil des Buches liefert Eltern Hintergrundwissen über die kreativen Phasen der kindlichen Entwicklung. Alle im Buch vorgestellten acht Phasen werden von jedem einzelnen Kind durchlaufen, auch wenn die Zeitangaben und die Ausprägung stark individuell sind. Von Punkten und kreisenden Bewegungen ausgehend entwickeln sich zunehmend runde Formen, die bald von Kanten und Kästen gekreuzt werden. Darauf folgt die Phase der Ich-Darstellungen, zunächst in Form von Strahlenfiguren die aber bald auch Körper erhalten. Das Gemalte entwickelt sich im Weiteren zunehmend geometrischer bi s es letztlich eine weite Formenvielfalt ergibt. Fakten wie diese vermittelt das Buch immer vor der Fragestellung wie wir als Erwachsene uns der kindlichen Kunst nähern können. Es gibt einerseits konkrete Tipps zur Deutung und zum Verständnis der Inhalte und andererseits gleichzeitig Hinweise wie mit Lob, Tadel und Kritik umzugehen ist beziehungsweise welche Annäherungen ideal sind, um mit dem Kind über seine Werke ins Gespräch zu kommen. Exakt in dieser Qualität steckt der Grund, warum ich das Buch empfehle: Zur Auseinandersetzung mit Kunst – das mag hier die kindliche Malerei sein und kann aber ebenso gut später die bildende Kunst sein – ist der Dialog wichtig, das miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen und gemeinsam Ideen zu teilen und zu entwickeln. Dieses Buch liefert genau die richtigen Ideen, um das zu erreichen. Es geht nicht darum die nächsten Kunstkritiker heranzuziehen oder die Kunst der eigenen Kinder qualitativ zu optimieren, sondern um den gemeinsamen Austausch und die geteilte Freude, das beiderseitige Interesse an ein und demselben Gegenstand. Beziehung entsteht durch Dialog, so dass die hier im Buch vorgeschlagenen Methoden in jedem Fall für alle im Umgang mit ihrem Kind empfehlenswert sind. Für jede Altersklasse schlägt die Autorin konkrete Spiele vor, die detailliert erklärt werden. Alle Angebote sind unterteilt in Übungen, die sich dann als erklärende Verständnisaufgaben an Eltern wenden, und Übungen für Kinder. Nicht nur die Vorbereitung und Durchführung sind genau erläutert, sondern auch die Auswertung der Ergebnisse. Genau das unterscheidet dieses Handbuch von vielen anderen und macht seine Qualität aus.

Im zweiten Buchteil geht es um die Farben. Farben sind in meinen Workshops ein absolutes Basisthema. Goethes Farbkreis verwende ich bei der Arbeit mit Kindern am liebsten, einfach weil er die Grundfarben enthält und jeweils nur eine Mischfarbe dazwischen. Auf diese Weise lassen sich die Grundprinzipien des Farbkreises und Begrifflichkeiten wie Primär- und Sekundärfarben leicht erklären. Auch Colormusic, die ich in meinen Workshops hin- und wieder thematisiere, wenn es um Farbklang geht, arbeitet mit diesen 6 Farbtönen. Renate Gier tangiert zwar auch die Tertiärfarben aber es gibt nie zu viel unnützes Wissen. Dafür jede Menge Ideen für kindgerechte Spiele zum Thema Farben, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Fingermalen nach Musik, Kreidefarbe nach Stimmungswahl und Farbnamen nach individuellem Befinden. Super Ideen, um über die Ergebnisse ins Gespräch zu kommen.

Im dritten Teil, den ich als reinen Elternteil verstehe, widmet sich die Autorin häufigen Fragen: Darf ich für das Kind vormalen? Wie drücke ich meine Wertschätzung aus? Welche Themen kann ich dem Kind vorschlagen? Auch dieser Teil ist kein rein theoretischer; auch hier gibt es zahlreiche Ideen für Übungen und konkrete Anregungen. Auch sie basieren auf der Idee des Dialogs.

Das Buch Die Bildsprache der ersten Jahre verstehen von Renate Gier kann ich besten Gewissens für alle Eltern empfehlen, die einerseits mehr über die kindliche kreative Entwicklung der Kleinkind- und Grundschuljahre erfahren wollen und andererseits sich gern mit ihrem Kind kreativ betätigen wollen beziehungsweise es in seinem künstlerischen Ausdrucksvermögen unterstützen wollen. Das Buch gibt viele altersgerechte und altersübergreifende Vorschläge, die Zuhause mit einfachen Mitteln (meist reicht Papier und Wasserfarbe oder Fingerfarbe) umgesetzt werden können. Das Buch hat nie einen pädagogischen Zeigefinger und glänzt auch nicht mit Fachwissen, das im Alltag nicht umsetzbar ist. Ein Buch, das die Bezeichnung HANDBuch verdient und in jeder Zeile zum Dialog mit dem Kind auffordert und deshalb zu empfehlen ist.

Bücher für die Arbeit mit Kindern

Empfehlungen speziell für Kinder, also Material, das Eltern mit den Kindern gemeinsam nutzen können, hatte ich bereits in früheren Posts im Blog ausgesprochen. Hier findet ihr dazu, gestaffelt nach Alter oder Themen, einige Vorschläge und auch Ideen wie ihr damit gemeinsam Spaß haben könnt:

FARBFREUDE MIT ALLEN SINNEN

SUCH MICH: BUCH DER FARBEN

KUNST MIT BABIES UND KLEINKINDERN

KUNST SEHEN AB DEM GRUNDSCHULALTER

 

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