Die Lust an Farbe ist dem Menschen in die Wiege gelegt. Mit etwas über zwei Jahren erweckt zunehmend das Interesse sich mehr mit Farbe zu beschäftigen. Was kann ein Kind mit Farben tun? Malen? Anschauen? Benennen? Das sind jedoch nur drei von fünf Sinnen. Wir lernen jedoch doch Sinneswahrnehmung. Je mehr Sinne angesprochen werden, umso intensiver ist das Lernerlebnis. Es lohnt sich deshalb sich tief in das Thema Farbe zu begeben, um tolle Sinneseindrücke zu sammeln und dem (kindlichen) Interesse an Farbe nachzuspüren. Dieser Beitrag will einige Anregungen dazu geben.

Die Welt der Farben für ganz Kleine

Pixi, eine Buchserie im Taschenformat aus dem Carlsen Verlag, wirbt damit das erste Buch für jedes Kind zu sein. Tatsächlich gibt es Baby Pixi, die das Thema Farbe aufgreifen. Derzeit sind zwei Titel erhältlich: Baby Pixi 38: Meine bunte Welt: Kennst du die Farben? (Werbelink)und Baby Pixi 35: Kunterbunt, na und?: Meine ersten Farben (Werbelink). Beide Bücher sind wie klassische Bilderbücher aufgebaut und zeigen Dinge recht isoliert als Einzelgegenstände in ihrer typischen Farbigkeit. Bei der Zusammenstellung der Bücher wurde darauf geachtet, dass viele Farbnuancen abgedeckt wurden. Ich habe diese Bücher durchgeschaut, um zu sehen inwiefern ich sie für die Kunstvermittlung nutzen kann. Das heißt konkret ich suchte nach einfachen Büchern für Kinder ab ca 2-3 Jahren, die Interesse an Farbe entdecken und mehr über Farbigkeit erfahren wollten. Beide Pixis sind enttäuschend. Um Gegenstände in ihrer Farbigkeit zu erfahren sind Fotos meiner Meinung nach besser geeignet als abstrakte Illustrationen. Kinder, die bereits gelernt haben, aktiv ihre Umwelt zu sehen, und einen Frosch schon einmal aus der Nähe betrachtet haben, fällt es schwer diese Comicvarianten mit dem echten Tier in Verbindung zu bringen. Leider sind alle Darstellungen auch völlig ohne Hintergrund und teilweise zusammenhandlos kombiniert. Baby Pixi 35: Kunterbunt, na und?: Meine ersten Farben (Werbelink)funktioniert zudem wie ein Fehler-Suchspiel. Es sind Tiere dargestellt, bei denen eines farblich aus der Reihe tanzt. Das wird als unnormal und fehlerhaft erfahren. Gerade in Hinblick auf viele Kunstwerke halte ich diese Herangehensweise an Farben für wenig sinnvoll. Der Reiz dieser zwei Bücher verliert sich recht schnell. Es gibt sie als stabile, unkaputtbare Babybücher aber zum einen ist das Thema Farbe wohl erst nach der extremen Sabberzeit aktuell und zum anderen stellt sich die Frage, ob diese Bücher so häufig genutzt werden, dass sie diese Haltbarkeit brauchen.

Der kleine Junge und die Farben – Pixi-Buch Nr. 217 – Einzeltitel aus Pixi-Serie 27 (Werbelink) wurde vom Carlsen Verlag leider in seinem Erscheinen eingestellt. Dieses Buch, das in den 70ern verlegt wurde, beschäftigt sich ebenfalls mit den Farben der Welt. Ein kleiner Junge nimmt die Farben des Regenbogens und malt seine Welt. Wesentlich fantasievoller und offener für eigene Ideen ermöglicht dieses Pixi Kindern die Farben ihrer Welt kennenzulernen. Sie erhalten so einen Zugang zu Farbe, die mehr gibt als die Unterscheidung von falscher und richtiger Farbgebung. Ein wirklich tolles Pixi, das seinem Ruf als erstes Buch des Kindes gerecht wird.

Auf der Suche nach geeigneten Farb-Büchern für Kinder als die derzeit verfügbaren Pixis bin ich auf ein Buch gestoßen, das Kinder wesentlich mehr aktiviert und für das Zaubern mit Farbe begeistert. Herve Tullet hat mit dem Mitmach Buch (Werbelink) ein Werk geschaffen, das gegenstandslos ist. Farben lassen sich darin als das erlernen, was sie sind – bunt! Vollkommen gegenstandslos können die Grundfarben benannt und erkannt werden. Das funktioniert, je nach Kind, bereits mit etwa 2,5 Jahren sehr gut. Das Buch ist als Mitmach-Buch konzipiert, was bedeutet, dass im Rahmen kurzer Aufforderungen die Farben herbeigerufen und verändert werden. Spielerisch erlernen Kinder auf diese Weise was Grundfarben sind, wie diese gemischt werden können und was Schwarz und Weiß bewirken. Was ich toll finde an diesem Buch ist, dass nicht vorgegeben wird was mit den Farben angemalt, ausgemalt oder gestaltet wird. Es geht rein um den optischen Charakter der Farbtöne und dabei insbesondere um Rot, Gelb und Blau und deren einfache Mischtöne erster Kategorie.

Über das Buch hatte ich bereits geschrieben. Speziell das Mischverhalten der Farben ist mit etwa 5 Jahren nochmal interessant und kann dann praktisch gut begleitet werden (Fasserfarben, Acryl, Kreide etc.). Das Mitmach Buch (Werbelink) von Tullet ist ein langfristiger Begleiter, der dank des kaschierten Papiers einige Strapazen durch Kinderhände übersteht.

Farben mit allen Sinnen

Ich nutze in der Kunstvermittlung gern Sinneskarten, die in der Montessori Pädagogik häufig als Legekreis zu den menschlichen Sinnen (Werbelink) zum Einsatz kommen. Aus den Karten lasse ich die Kinder eine ziehen. Der so zugeordnete Sinn ist der Weg, den das Kind bestreitet, um sich ein Bild zu erarbeiten.

Genau das funktioniert auch für Farbe. Farben können alle 5 Sinne ansprechen. Das ist spannend, denn die meisten Kinder ordnen Farbe zunächst nur den Sinn „Sehen“ zu. Nach etwas Überlegung wird auch der Sinn „Tasten“ genannt, wobei damit eher die haptische Erfahrung beim Malen gemeint ist. Farben lassen sich jedoch auch riechen. Wasserfarbe hat einen anderen Geruch als Acrylfarbe oder als Buntstift oder als Wachsfarbe usw. Mit den Sinnen Schmecken und Hören ist es etwas schwieriger, speziell wenn es um Farben (und nicht um ganze Kunstwerke) geht. Farben schmecken lässt sich am einfachsten über die Assoziation zu Früchten erklären. Aber auch Art-Dinner lassen sich an dieser Stelle thematisch einflechten. Wie Farben gehört werden habe ich letzte Woche im Beitrag Farbklang bereits geschrieben. In der Waldorf Zeitschrift Vorhang auf im Heft Musik habe ich zwei tolle weitere Übungen dazu gefunden. Eine funktioniert andersherum: Während in meinem Beispiel von letzter Woche die Kinder versucht haben von der Farbe zum Ton zu kommen, entsteht bei dieser Übung Farbe durch Töne.

Vom Klang zum Bild

Eine Melodie, die nicht zu lang sein sollte, ist die Basis dieser Übung. Ideal geeignet sind instrumentale Stücke, die von verschiedenen Instrumenten gespielt werden. Zur Musik wird ein Bild gemalt. Um sich auf die Farben zu konzentrieren sollte damit ausgemacht werden, dass nicht mit verschiedenen Formen, sondern lediglich mit verschiedenen Farben gearbeitet wird. Am einfachsten ist es deshalb immer Farbpunkte, -tupfer oder –kleckse zu setzen, je nach verwendetem Material. Vor dem ersten Malen wird das Musikstück zweimal angehört (auch deshalb sollte es bewusst kurz sein, eventuell nur eine Sequenz eines kompletten Stückes). Anschließend wird zur Musik gemalt, dabei gibt es nur einen Durchgang, es muss zügig mitgearbeitet werden: nacharbeiten gibt es nicht, weil das Ergebnis dann nicht mehr in direktem Bezug zum Klang steht. Interessant ist die entstandenen Klangbilder zu vergleichen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es immer Überschneidungen gibt aber insgesamt Töne sehr subjektiv wahrgenommen und deshalb sehr unterschiedlich in Farben umgesetzt werden. Diese Erkenntnis ist fundamental, um sich später einem Bild über dessen Farbe zu nähern: Farbe ist ein individuell erfahrbares Mittel, das demnach ausdrückt wie ein Künstler etwas empfindet, rein subjektiv.

So klingen Farben

Die im Vorhang auf Heft Musik zweite vorgestellte Methode ist das Lauschbild. Im Wesentlich ist es das, was ich mit dem Farbklang versucht habe und was von einem Kind eindrucksvoll dargestellt wurde wie ich im Video gezeigt habe. Unter der Vorstellung wie ein Bild klingt wird es vertont. Die in Vorhang auf vorgestellte Möglichkeit bezieht sich auf ein gegenständliches Werk und funktioniert ohne große Vorarbeit und Einführung quasi sofort. In der Kunstvermittlung ist das ein verbreitetes didaktisches Mittel, um sich in ein Bild hineinzubegeben und sich zu erarbeiten: Alle sichtbaren Objekten oder Subjekten wird ein Geräusch zugeordnet. Das können Ausrufe bei Menschen sein, Gesänge, bei Tieren Laute, Motorengeräusche bei Maschinen oder das Rauschen des Windes.

Lauschbilder dieser Art lassen sich bereits mit sehr kleinen Kindern verwirklichen. Eine tolle Basis sind dafür Wimmelbücher. Das müssen keine speziellen Kunstbücher wie Das große Wimmelbuch der Kunst (Werbelink) sein, auch die Klassiker von Ali Migutsch wie zum Beispiel Das Riesenbilderbuch von Ali Mitgutsch (Werbelink)
sind dafür geeignet. Auch Fotografien, Bildbände oder andere beliebige Bilder können dafür super verwendet werden. Das Lauschbild wird lebendiger je mehr Aktion im Bild stattfindet. Dieses Spiel eignet sich übrigens auch toll für Wartezeiten, denn Bilder gibt es überall. Wie immer gilt es die Welt aktiv zu sehen und zu entdecken.

 

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