Jedes Kind hat Interesse an Farben und bunten Bildern. Wie du zuhause mit einfachen Mitteln dieses Interesse deines Kindes bedienen kannst, zeige ich dir in meiner aktuellen Serie zu einfachen Kunstvermittlungsmethoden.

Letzte Woche hatte ich vorgestellt wie Pixis genutzt werden können, um einen Zugang zu Bilder zu finden. Bei vielen Familien mit Kindern kam diese Anregung sehr gut an. Einige bemängelten aber, dass sie entweder gar keine Pixis besitzen oder aber solche, die absolut ungeeignet sind. Kein Problem, heute zeige ich eine Methode, die garantiert jeder umsetzen kann. Sie lässt sich auch super bei Oma und Opa, Onkel und Tante oder Nachbarn realisieren, die nicht einen kompletten Haushalt mit Kinderkram zur Verfügung haben.

Methode 2: Farbwürfel (alternativ: Farbschnipsel)

Diese Methode klappt für jedes Bild. Je nach Würfel sogar für Grafiken. Ich verwende für diesen didaktischen Zugang zur Kunst einen Farbwürfel mit den Farben Rot, Gelb, Grün, Blau und Schwarz und Weiß. Für mich hat dieser Würfel den Vorteil, dass die Grundfarben, erweitert um die Mischfarbe Grün in nahezu jedem Bild vorhanden sind. Schwarz und Weiß lässt sich immer als Hell und Dunkel nutzen, um beispielsweise auch die Lichtwirkung eines Bildes zu beschreiben.

Alternativ könnte es auch ein Farbwürfel sein, der sich am Farbkreis orientiert und statt Schwarz und Weiß Lila und Orange auf den Seiten zeigt. Allerdings sind diese Mischfarben nicht immer überall vorhanden.

Ich würde vorschlagen einen Farbwürfel zu verwenden, der vorhanden ist. Es gibt auch Modelle mit weniger Farben als der Würfel Seiten hat (oft sind dann manche Farben doppelt), das geht ebenfalls. Farbwürfel mit 6 Farben(Werbelink) gibt es mit verschiedenen Farben für kleines Geld zu kaufen. Mit Farbkarten (selbstgeschnitten aus Karton, Tonpapier oder farbigen Schnipseln aus alten Zeitungen) kann diese Methode aber ebenfalls umgesetzt werden und die lassen sich wirklich überall realisieren. Der Vorteil dieser Karten ist zudem, dass sie spontan in den Farben gefertigt werden können, die im Bild auch tatsächlich vorkommen.

Einsatz des Farbwürfels

Der Einsatz des Farbwürfels lässt sich für Kinder nahezu aller Altersklassen durchführen. Ich habe mir verschiedene, aufeinander aufbauende Aufgabenstellungen überlegt, die nicht immer alle zwingend umgesetzt werden müssen. Jüngere Kinder bekommen nur die ersten beiden Aufgabenschritte gestellt und dürfen dann erneut würfeln. Ältere Kinder oder solche mit einem größeren Vorwissen arbeiten nach und nach verschiedene Fragestellungen ab.

Zunächst bekommen die Kinder den Würfel und erwürfeln sich eine Farbe. In kleineren Gruppen, mit denen ich überwiegend in meinen Workshops arbeite, lasse ich zuerst alle Kinder würfeln und bitte sie sich die Farben zu merken. Es ist auch möglich diese Methode als Gruppenarbeit einzusetzen und eine Gruppe gemeinsam würfeln und später die Aufgaben bearbeiten zu lassen.

Nach dem Würfeln bekommen die Kinder ein Werk der Kunstgeschichte gezeigt. Ihre erste Aufgabe ist es das Element des Bildes zu benennen, das in „ihrer“ Farbe gestaltet ist und das ihnen als erstes dieser Farbe ins Auge gefallen ist. Sie beschreiben was sie sehen und vielleicht auch, warum gerade dieser Ausschnitt ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Im zweiten Schritt untersuchen die Kinder das Bild auf weitere Bildabschnitte in dieser Farbe. Sie müssen sehr genau hinschauen, um alle Details, die in ihrer Farbe gestaltet sind, zu erkennen. Auf diese Weise erarbeiten sie sich den gesamten Bildraum und entdecken nach und nach mehr Details. In Gruppen ist es günstig die einzelnen Details aufzuschreiben, um sie später den anderen Gruppen vorzustellen. Bei nur einem Kind, darf es nach und nach alles aufzählen was es sieht. Wichtig ist hierbei genügend Zeit zum Sehen zu lassen. Details erschließen sich häufig erst nach und nach.

Für Kinder, die bereits über Farbwirkung und Eigenschaften, die Farben zugeschrieben werden, informiert sind, werden im dritten Schritt aufgefordert abzugleichen, ob die normalerweise der Farbe zugeschriebene Stimmung im Bild zutreffend ist. Gelb steht beispielsweise für Freude, Sonne, Wärme. Ein stechendes Gelb kann aber auch Neid, Missgunst und negative Eigenschaften ausdrücken. Mit diesem Wissen im Hintergrund sollen die Kinder die Bildstimmung in den Bereichen erforschen, die in ihrer Farbe gestaltet sind.

Als abschließende Aufgabe vergleichen die Kinder die einzelnen Bildteile in ihrer Farbe. Ist die Farbe immer in derselben Nuance. Welchen Einfluss auf die Bildwirkung hat eine Verdunklung oder Aufhellung der Farbe? Wie steht die Farbe in Zusammenhang zum dargestellten Inhalt.

Variation: Fotokarton, Pappe, Papierschnipsel

Steht kein Farbwürfel zur Verfügung eignet sich bunter Fotokarton hervorragend für diese Methode. Wenn das nicht zur Verfügung steht, kann ein alter Karton zerschnitten werden und farbig bemalt werden. Beim Bemalen können die Kinder mithelfen. Als Farbe eignet sich alles von Ölkreiden, Wasserfarbe, Nagellack, Buntstifte, Filzstifte, Wachsmaler oder was eben zur Hand ist. Ich empfehle die Stückchen gleichgroß zu schneiden und in einer gleichmäßigen Form wie beispielsweise zum Quadrat oder Kreis. Ich habe ca 3cm Quadrate gewählt, weil das eine gut griffige Größe ist.

Statt zu Würfeln können die farbigen Kartonstückchen entweder ausgelegt werden und die Kinder wählen frei ihre Farbe. Eine überraschendere Variante ist das Zieh-Säckchen. Dafür wird ein kleiner Beutel mit den Kartonstückchen gefüllt und die Kinder ziehen, ohne Hineinzuschauen, ihre Farbe. Das geht im Übrigen auch super mit einer Schale, die mit einem Tuch bedeckt wird.

Wer keinen Karton verwendet, sondern nur dünnes Farbpapier (etwa aus Illustrierten oder bunten Werbebeilagen) zur Verfügung hat, dem empfehle ich die Farbschnipsel auszulegen. Die dünnen Papiere kleben sonst schnell zusammen, so dass blindes Ziehen oft nicht funktioniert.

Kunst sehen mit Spaß

Die wichtigste Regel bei allen Kunst-Sehen-Anleitungen ist, dass es kein Falsch gibt!. Der Spaß am Sehen steht im Vordergrund. Nur mit Freude und damit verbundenem eigenen Antrieb lässt sich Neues entdecken. Aus diesem Grund soll die spielerische Herangehensweise wichtiger sein als die Vollständigkeit alles im Bild zu sehen. Einiges darf man sich auch für das nächste Mal aufheben.

 

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