Erinnert ihr euch an meinen Beitrag über Fantasiereisen. Erst kürzlich hatte ich in einem meiner Sommerkurse eine solche Sommerfantasiereise, die auch Traumreise genannt wird, mit den Kunstkindern unternommen. Das hatte super funktioniert. Bisher habe ich diese Methode hauptsächlich in sehr kleinen Gruppen (deutlich unter 10) eingesetzt und mich etwas gescheut vor größeren Gruppen (15 Kinder). Da ich derzeit wieder einen neuen wöchentlichen Kurs plane, der ca 15 Teilnehmer haben wird, hatte ich nach ergänzenden Methoden gesucht, um die Fantasiereisen noch etwas auszubauen und vor allem vorab für mehr Ruhe zu sorgen. In einem kleinen Kreis mit 5-8 Kindern ist das meist gut zu bewerkstelligen, in größeren Gruppen herrscht mehr Unruhe, so dass dies eine größere Herausforderung ist.

Zufallstreffer Klangschale

zimpeln_3Ich stöbere gern in fremden Buchregalen, wenn ich irgendwo zu Besuch bin. Kürzlich war ich wieder vor einem meiner Lieblingsregale (ich verrate jetzt nicht bei wem!) und habe zwischen vielen tollen Büchern fast noch spannendere Dekorationen und Kleinigkeiten gefunden.

Und da lagen sie: tipetische Zimpeln. Ich kenne diese aus der Anwendung bei Fantasiereisen, sie dienen als Signalgeber für den Anfang oder das Ende einer Übung.

Durch diese Zimpeln kam mir die Idee einmal mit Klangschalen zu arbeiten. Das passt zu Fantasiereisen aber eben auch zu meinem alle Sinne basierenden Ansatz der Kunstvermittlung. Klang und Farbe sind eng miteinander verbunden, da liegt es nahe das in meine Arbeit einfließen zu lassen und gern lasse ich mich durch neue Ideen inspirieren.

Klangschalen mit allen Sinnen spielen und experimentieren

Wohl das Standardwerk zum Thema Klangschalen stammt von Peter Hess. Er ist Pädagoge und Leiter des, nach ihm benannten Institutes. Die Peter Hess Klangpädagogik ist mittlerweile vielen Erziehern ein fester Begriff. Sein Buch Klangschalen – mit allen Sinnen spielen und lernen wurde mit vom Kösel Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Ich war sehr glücklich ein Buch mit exakt den Schlagworten zu finden, die mich in meiner Arbeit begleiten und habe mich sehr auf das Buch gefreut. Das Buch verspricht viele Anwendungsbeispiele. Die Spiele mit den Klangschalen sind in Bereiche unterteilt, entsprechend der Fördermaßnahmen wie sie vermutlich in Kindergärten und pädagogischen Einrichtungen vorgenommen werden. Interessiert hatten mich vor allem die Wahrnehmungsförderung, Fantasiereisen und experimentelle Spiele. Es gibt noch eine weitere Kategorie und als abschließendes Kapitel einen Anhang mit Wissenswertem über Ursprung, Materialzusammensetzung, Produktionsstätten und Arten von Klangschalen.

Ich muss sagen, dass ich direkt beim ersten Blättern vom Buch enttäuscht war. Bereits im ersten Kapitel wird immer wieder auf die zertifizierte Petter Hess Klangmassage verwiesen, auf die zugehörigen Publikationen und vor allem Kurse. Eine Werbung für Eigenprodukte hatte ich vom Buch nicht erwartet. Eine Krönung dieses Productplacements schließt das Buch ab, da sind Beispiele von Klangschalen gegeben und wie diese bei Peter Hess benannt sind und was sie kosten. Es ist nahezu ein Produktkatalog.

Die einzelnen Kapitel mit Anregungen für den Einsatz der Klangschale sind sehr überdeutlich geschrieben. Die Sprache erinnert an Erzieherinnen, die sich Kindergartenkindern zuwenden. Es nervt und ist mühsam zu lesen. Die Variation zwischen den einzelnen Anwendungsbeispielen sind echt gering, innovative Tipps sind nicht zu erwarten.

Im Kapitel Traumreisen sind einige Textbeispiele enthalten. Wer einmal eine Traumreise unternehmen will und ihm fehlt eine geeignete Geschichte, der wird hier fündig. Allerdings erscheint es mir auch bei diesem Text nur darum gegangen zu sein möglichst viele verschiedene Klangschalen zu nutzen, die damit beworben werden. Für die erste vorgeschlagene Traumreise benötig man laut Materialliste 4 verschiedene Klangschalen bzw. Klanginstrumente und diverse Schlägel. Ich habe das nicht zusammengerechnet aber so entsteht ja schnell der frustrierende Eindruck, dass eine Reihe großer Investitionen notwendig sind, um sich auf eine Fantasiereise zu begeben. Das ist aber nicht so und mich ärgert, dass Eltern oder Kinder von so einem tollen Erlebnis eventuell zurückgehalten werden, weil ihnen eingeredet wird, sie benötigen all diese Materialien als Grundvoraussetzung.

Fazit

Das Buch ist ein toller Produktkatalog mit weiterführenden Anwendungsbeispielen. Läge er den wirklich stolz bepreisten Klangschalen aus dem Hause Peter Hess bei, würde ich ihn als recht gelungenes Beispiel eines Begleitheftes bezeichnen. Als eigenständige Publikation stört mich der ständige Verweis auf die Peter Hess Massagekurse, die Peter Hess Publikationen, die Peter Hess Produkte usw. Das Buch passt auch für andere Klangschalen, ob diese nun ein Urlaubsmitbringsel sind oder schlicht aus dem Weltladen oder von einer anderen Firma.

Das Buch ist empfehlenswert für Menschen, die noch nie mit einer Klangschale zu tun hatten und für die Verwendung absolut keine Ideen haben. Alle ausgebildeten Pädagogen, und an diese ist das Buch mehr oder weniger explizit adressiert, sollte wissen wie sie einen Gegenstand für kleine Kinder (Kindergarten und Grundschule wird hier benannt, wobei ich diese Ansprache für die Grundschule nicht mehr wirklich passend finde) interessant machen und kleinere Geschichten dazu entwickeln können. Weiterführende Ideen, die wirklich innovativ oder experimentell sind, habe ich im Buch absolut vermisst.

Übrigens werde ich aber dennoch in meinen Kursen eine Klangschale einsetzen, allerdings etwas kreativer als hier im Buch angedacht ist.

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