Seit längerem verfolge ich einen alle 5 Sinne umfassenden Ansatz in der Kunstvermittlung. Kunst sehen und tasten waren schon häufiger Themen im Blog. Auch über den Klang der Farben hatte ich schon einmal geschrieben. Da ich mein Konzept zunehmend ausbaue und erweitere, suche ich immer nach neuen Methoden und Impulsen, um Kunst umfassend begreifbar (und hör-, riech, sicht- und schmeckbar) werden zu lassen. Aus diesem Grund hatte ich mich die letzten Wochen intensiv mit der Farbmusik|Colormusic beschäftigt. Diese Beschäftigung liegt nahe, wenn man sich die Bedeutung von Komposita wie Farbklang, Klangfarbe oder Tonfarbe verinnerlicht. Um den Kindern genau das zu verdeutlichen, habe ich nach Farbmusikern gesucht und ihre Umsetzung einzelner Farben geprüft.

Farbmusik lässt Farben hörbar werden

Bei meiner Recherche bin ich auf Hans Peter Kruesi gestoßen, der auf seiner Seite eigene Stücke präsentiert und zugleich bei Youtube Playlists zusammengestellt hat. Es gibt zwar verschiedene Musiker, die sich mit Farbmusik beschäftigen, aber Kruesis Seite ist für mich deshalb eine Fundgrube, weil sie auf dem Goetheschen Farbkreis basiert. Er bildet den Ausgangspunkt aller Betrachtungen meines Unterrichts, taucht in vielen Einzelthemen erneut auf und zieht sich deshalb wie ein roter Faden durch. Es passt perfekt, wenn andere Betrachtungen sich durch solche Überschneidungen problemlos einbeziehen lassen.

In einer der ersten Stunden geht es um Goethes Farbkreis, aber auch um Farbwirkung. Dazu hatte ich den Kindern kurze Geschichten vorgelesen, zum Teil über die Geschichte der Farben oder einfache Kurzgeschichten, die die jeweilige Farbe thematisieren. Sie hatten also bereits gelernt, dass den Farben verschiedene Eigenschaften zugeschrieben werden können und diese nicht zwangsläufig Synonyme sein müssen. Beispielsweise kann Rot kraftvoll, sportlich und dynamisch wirken, aber zugleich auch übermächtig, streitsüchtig, wütend. Auch Gelb ist einerseits warm und angenehm und andererseits kann Gelb spitz, giftig und stechend wirken. Ausgehend von diesen Grundkenntnissen sollten die Kinder überlegen, wie sich Farben anhören. Das, was ich in Der Klang der Farben in einem anderen Workshop umgesetzt hatte, konnte ich hier in diesem Kurs nur in Videoform zeigen. Die Gruppe ist zu groß, um so etwas in Ruhe durchzuführen, auch bezweifle ich, dass in dieser Gruppe die Bereitschaft vorhanden ist, sich darauf einzulassen – das sage ich ganz ehrlich, denn immer wieder möchte ich darauf verweisen, dass alle meine Methoden stark individuell sind. Ich wandle sie ab, suche nach neuen Wegen oder lasse bestimmte Dinge aus, immer mit einem großen Auge auf die Gruppe, ihre einzelnen Mitglieder, deren Vorwissen, die Art der Beteiligung und auch die Gruppendynamik untereinander. Nichts MUSS, vieles KANN – das ist immer mein Motto und ich schaue immer wieder neu, was klappt. Oft klappt etwas in einer Gruppe, dass in einer anderen das völlige Desaster ist. Arbeite ich mit einer Gruppe fortlaufend, genieße ich den Vorteil, das Gelingen einer Methode abschätzen zu können. Kann ich das aufgrund einer unbekannten Gruppe nicht, greife ich lieber auf Bewährtes zurück oder verwende Methoden, die garantiert alle ansprechen. So in diesem Fall, ich habe als Ausblick auf das Thema Kunst Hören nur das Video gezeigt:

 

Die Kinder trugen dann ihre Vorstellungen wie die Farben des Goetheschen Farbkreises klingen per Brainstorming zusammen. Anschließend spielte ich ihnen Musikstücke der Colourmusic-Seite vor. Ich zeigte ihnen auch die Videos, so dass die Farbe nicht nur hörbar, sondern – mit etwas Aufmerksamkeit – auch sichtbar war. Hier ein kleines Beispiel. Gitarre, Schuhe und Hintergrundbeleuchtung weisen hier eindeutig den Weg zur Klang-Farbe.

 

Dank der Zusammenstellung mehrerer Stücke zu jeder Farbe in Form einer Playlist, konnte ich nach einem ersten Höreindruck zu jeder Farbe ein kleines Quiz veranstalten: Ohne das Video zu zeigen, spielte ich den Kindern die Stücke vor und ließ sie die Farben dazu erraten. Zugegeben: Orange und Lila sind teilweise nicht einfach zu unterscheiden. Aber: Die Kinder haben ein ausgesprochen gutes Gehör bewiesen und auch gezeigt, dass die Colourmusic tatsächlich mit dem korrelliert, was das Gehirn entsprechend der Klänge an Farbe visualisiert.

Nochmehr Kunst hören

Das Thema Kunst hören ist noch ausbaufähig. Ich bemühe mich immer mehr Hörstücke in meine Kurse zu integrieren. Anfangs sind die Kinder oft skeptisch, wie sich Farben denn hören lassen. Es irritiert sie, weil diese Betrachtungsweise fremd ist. Ich nutze zur Überwindung dieser Hemmschwelle aktuell einen Ausschnitt der Hörspiel-CD Man sieht auch mit den Ohren gut, in der ein blinder Junge seine Alltagserlebnisse in Form von Geräuschen und Musikstücken der klassischen Musikgeschichte beschreibt und andersrum den großen Werken Beethovens, Schönbergs usw. Farben, Ereignisse und Bilder zuordnet, um sie sichtbar werden zu lassen. Das Kinderhörspiel eignet sich super, um die anfängliche Abwehr der Kinder („Farben haben kein Geräusch, hör mal an meinem Bild, siehst du, ganz leise!“) zu durchbrechen und sie neugierig zu machen, selbst genau zu hören, zu fühlen und sich dabei nicht nur auf eine Reise in die Kunst, sondern in ihr eigenes Inneres zu begeben. In meinem Beitrag Mit den Ohren Sehen habe ich ausführlicher über dieses Hörspiel geschrieben, auch wie ich es in meinen Workshops genutzt habe und wie es aufgenommen wurde.

Es muss bei der Ausarbeitung der Methode Kunst hören nicht zwangsläufig um explizite Kunstwerke gehen, die den Hörsinn ansprechen. Ich integriere beispielsweise in mein aktuelles Thema Sommer Musikstücke wie Vivaldis Die vier Jahreszeiten. Lies in meinem Beitrag Jahreszeitendarstellungen hören – Vivaldi mehr darüber, wie ich diese CD zur Kunstvermittlung nutze. Zum einen gefällt mir, neben reiner Kunstvermittlung auch Erlebnisse aus der Welt der Literatur und Musik zu ermöglichen und andererseits finde ich zu einem alle Sinne umfassenden Ansatz passen Methoden, die das pralle Leben umfassen und deshalb gern Gegenstände des alltäglichen Lebens bemühen dürfen.