Ich hatte schon häufiger meinen ganzheitlichen Ansatz der Kunstvermittlung beschrieben. Es geht mir um das erfassen mit allen Sinnen. Spannend war für mich die Antwort der Kinder auf meine allererste Frage in meinem letzten Workshop Welchen Sinn spricht Kunst an?: Ich hatte zuvor über Sinneswahrnehmung gesprochen und meine Sinneskarten ausgelegt, so dass klar war, dass ich auf Riechen, Schmecken, Hören, Sehen und Tasten hinaus will. Die erste Antwort kam prompt aus mehreren Mündern gleichzeitig: Riechen.

Für mich tatsächlich verblüffend, denn das olfaktorische ist in der Kunst doch eher vernachlässigt. Einmal abgesehen von Beuys Installationen und einigen wenigen Künstlern. Auch in der Kunstvermittlung gibt es wenige didaktische Ansätze, um auf Gerüche von Kunstwerken einzugehen.

Auf meine Nachfrage berichteten die Kinder erstaunliche Erlebnisse. Sie hatten Ausstellungen gesehen, in denen der Geruchsinn so heftig angesprochen wurde, dass dies nachhaltig im Kopf hängen blieb. Da waren zum einen die Schlossgalerien mit ihren Ölgemälden, die in der stickigen Luft der kleinen Räume ausdünsteten. Da gab es eine Live-Perfomance mit Lebensmitteln. Sie berichteten von Wachsskulpturen. Und von einem Lunch im Museum.

Noch vor dem Sehen sprachen die Kinder das Riechen, direkt gefolgt vom Schmecken und das Tasten an. Erst dann wurde ihnen bewusst, dass ein Sinn selten isoliert verwendet wird und sie nannten das Sehen als ergänzende Wahrnehmung. [Das Hören blieb übrigens gänzlich außen vor, wie ich bereits in meinem Artikel Man sieht auch mit den Ohren gut schrieb, verblüfft es die Kinder völlig, dass sich Kunst hören lässt].

Das zeigt mir, wie viel intensiver Kunst erfahren wird, wenn sich auf Sinnesorgane verlassen werden kann. Um den Geruchssinn anzusprechen gibt es verschiedene Methoden, beispielsweise das Bilder-Potpourri, Farben aus Lebensmitteln anfertigen oder auch Farben riechen. Die letzten beiden Methoden lassen sich gut kombinieren.

Farben selbst herstellen

Kunst riechen II Wo bekamen frühere Maler ihre Farben her? Es gab keinen Bastelladen, wo allerlei Pinsel und Farben verschiedener Nuancen zu kaufen waren. Maler zu sein bedeutete Handwerker zu sein. Klar ging es um schöpferische Kreativität aber eben auch um Kunsthandwerk und dazu gehörte das Anfertigen der eigenen Farbe. Die genaue Zusammensetzung ist bei einigen Malern auch heute noch ein Geheimnis. Etwas auf die Spur kommen kann man diesem indem man Farben selbst herstellt. Aus Lebensmitteln, gebunden mit Eiklar ist das zusätzlich ein sensuelles Erlebnis. Es eignen sich vor allem Gewürze wie Curcuma, Kakao, Paprika, Pfeffer und andere stark färbende Lebensmittel wie Grüner Tee, Rote Beete, Kaffee.Kunst riechen III

Bei der Herstellung lernen die Kinder wie sorgsam man bei der Mischung aus Farbpigment, Wasser und Eiklar vorgehen muss. Die Farbe darf nicht zu wässrig sein aber das Farbpigment auch nicht klumpen im Auftrag. Das Ergebnis sind wunderbare Farben. Doch was fällt noch auf?

Klar, der Geruch! Dieser hält auch lange an, verfliegt allerdings nach dem Trocknen innerhalb einiger Wochen nahezu völlig. Wer ihn bewahren will, sollte die Bilder in Folie verpacken. A4 Klarsichthüllen sind dafür gut geeignet. In diesen können die Bilder in dicken Büchern auch zunächst in Form gepresst werden.

Den Kindern fiel zunächst nichts weiter auf. Aus diesem Grund habe ich ihnen zu ihrer eher irdenen Farbpalette zwei Gemälde von Jan Vermeer gegenübergestellt. Kunst riechen - Farben herstellen - VermeerDas eine war Herr und Dame beim Wein und das andere Dienstmagd mit Milchkrug. Was fällt auf, wenn man die Farbskalen vergleicht? Und da war es: Die Farbigkeit, das Bunte fehlt. Wo ist leuchtendes Blau, wo ist leuchtendes Rot, das helle Gelb? Farbe herstellen war vielmehr als das reine Zusammenrühren verschiedener Bestandteile. Maler waren auch immer betraut mit den Vorgängen, die später als Chemie zusammengefasst wurden. Nach der einfachen Besprechung weiterer Farbherstellungsmethoden von Künstlern wie Vermeer, wollte ich den Geruch noch einmal aufgreifen.

Bilder nach Geruch nachmalen

Kunst riechen IVDie Kinder hatten bereits in einem früheren Workshop Farbkompositionen von De Stijl und Theo Doesburg kennengelernt. Jeweils die Hälfte der Kinder war nun aufgefordert aus den angemischten Farben eine geometrische Komposition in dieser Art anzufertigen. Um das etwas zu vereinfachen (mit Blick auf die Zeit), habe ich Kopiervorlagen angefertigt, die im Prinzip schon eine Vorlage einer Komposition enthielt. Diese wurden mit den zuvor angerührten Farben ausgemalt. Manche Kinder hatte die Vorlage nur als Inspiration genutzt und auch völlig frei sehr schnell ein entsprechendes Werk umgesetzt.

Die andere Hälfte konnte diese Bilder nicht sehen. Sie wurden beim Anfertigen rausgeschickt. Mit verbundenen Augen wurden ihnen die Bilder später präsentiert und die Kinder mussten Sie erschnuppern. Dafür sollten Sie nach der ersten Geruchsprobe eine Bildskizze anfertigen, in der zunächst die etwaige Anordnung der Gerüche festgehalten wurde. Nach einer zweiten Geruchsprobe wurde diese Skizze verfeinert, so dass Informationen über die Größe der jeweiligen Geruchsfläche festgehalten wurden. Ein dritter Durchgang diente der Überprüfung. Anschließend sollten die Kinder den notierten Gerüchen Farben zuordnen (entsprechend der Gewürze, die verwendet wurden zur Farbherstellung) und versuchen das Bild, das sie eben gerochen hatten, in Wasserfarbe nachzumalen.

Keine leichte Aufgabe. Es fordert schon einiges an Konzentration auf den Geruchssinn ab. Dennoch waren die Ergebnisse überzeugend. In diesem Kurs haben die Kinder einiges über Farbherstellung gelernt. Das Ganze war eingebettet in ein olfaktorisches Erlebnis. Sie haben unter Konzentration auf die eigene Nase nochmals einen Bezug auf ein früheres Thema – Farbkomposition – genommen und das dort bereits erfahrene um eine weitere Sinneswahrnehmung ergänzt.

 

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