Erinnert ihr euch noch an Mein großes Kunst-Malbuch von Anette Roeder aus dem Prestel Verlag? Ich hatte dieses Kunstmalbuch aushüflich vorgestellt und war das erste Mal von einem Buch dieser Art wirklich begeistert. Lest nochmal in meinen früheren Artikel rein, das Buch ist wirklich empfehlenswert, auch als Geschenk. Mich hatte das Buch tatsächlich so begeistert, dass ich dem Erscheinen des neuen Kunstmalbuchs dieser Reihe, natürlich auch im Prestel Verlag, förmlich entgegengefiebert habe. Vor zwei Wochen war es dann soweit und ich hatte pünktlich zum Erscheinungstermin Das große Ausmalbuch der Kunst im Briefkasten.

Kein AUS-Malbuch, ehrlich!
Auch bei Das große Ausmalbuch der Kunst stört mich tatsächlich der Titel. Ich hätte mir dieses Buch schon allein wegen dieses Titels nicht gekauft, nicht einmal hineingeschaut. Wie schade wäre das! Aber mal ehrlich: Ausmalen ist unkreativ, langweilig und mit der Zeit auch stumpfsinnig. Und nein, es ist keine Frage des Motivs. Der Begriff Kunstausmalbuch erweckt in mir die Assoziation nach Krickeleien am karierten Heftrand, Telefonkritzeleien oder gar Erwachsenen-Mandala-Ausmalbücher. Ihr hört es, ich bin wirklich kein Fan davon. Ich mag auch keine reinen Ausmalbücher für Kinder. Warum war ich nun dennoch so aufgeregt und in freudiger Erwartung des Ausmalbuches? Ganz einfach: Der vorherige Band dieser Reihe hatte mich einfach begeistert. Er war nämlich kein Ausmalbuch, sondern eher ein kreativ anregendes Weitermalbuch, fast im Sinne der derzeit im Trend liegenden Bastel- und Kreativbücher. Ähnliches hatte ich nun auch hier erhofft, einfach mit neuen Motiven, anderen Anregungen.

Aufbau des Buches äh.. Heftes

Obwohl ich das andere Ausmalbuch kannte, habe ich hier zunächst etwas gestutzt, das „Buch“ ist eher ein Heft, es ist recht dünn, ein knapper Zentimeter und da das Papier recht straff ist, darf man nicht zu viel Malbuch erwarten.

Das Heft ist chronologisch aufgebaut. Zunächst hatte ich diese Gliederung bemerkt und dass immer eine Doppelseite mit Details, die der vorherigen Doppelseite entnommen ist, folgt. Diese kann weitergemalt werden und enthält oft noch einmal detaillierte Aufgaben. Die vorherige Doppelseite ist tatsächlich nur zum Ausmalen geeignet. Bei der Detailseite lassen sich außer Ausmalen auch andere Methoden einsetzen (die aber im Buch nicht vorgeschlagen werden, da muss man schon selbst kreativ werden).

Beim zweiten Mal intensiveren Durchblätterns wunderte ich mich etwas über die Art der Zeichnungen. Sie wirken alle bräunlich, wie mit Kohle gezeichnet oder ein bißchen wie Photoshop Umwandlungen von Fotografien in Zeichnungen, wenn nur die äußeren Konturen scharf nachgezeichnet sind. Dadurch entstehen keine klaren Ausmalflächen wie dies bei herkömmlichen Malbüchern der Fall ist. Die Bilder wirken dadurch kleinflächiger und detaillierter. Das Malbuch ist aus diesem Grund definitiv nicht für Kinder unter 5 Jahren geeignet, da es einiger Geduld und Feinmotorik bedarf hier tätig zu werden. Aus meiner Erfahrung sind die Bilder auch tatsächlich nur dann einladend zum Malen, wenn die Kinder die dargestellten Werke kennen und erkennen. Falls nicht, sind die Motive nicht wirklich einladend aufbereitet.

In einem dritten Durchgang viel es mir wie Schuppen von den Augen: Das Buch ist die Malbuch-Umsetzung von Das große Wimmelbuch der Kunst. Die Autoren sind dieselben, alle Motive stimmen 100% überein. Das erklärt, warum die Bilder recht unübersichtlich wirken und auch warum zum Teil verschiedene Kunstwerke in einen übergeordneten Kontext gefasst sind. Über das Buch hatte ich schon einmal ausführlich in Geschichte der Kunst im Bild berichtet, es gehört zu meinen Standardwerken der Kunstvermittlung, besonders für sehr kleine Kinder (Grundschule). Ich schätze dieses Buch wirklich sehr.

Nur ein Remake

Meine Photoshop-Einschätzung lag wohl gar nicht so daneben. Aber enttäuscht mich das? Nein, tatsächlich nicht. Für mich ist das Malbuch eine super Ergänzung zu diesem Wimmelbuch der Kunst, dass ich tatsächlich sehr häufig und gern benutze. Beide Materialien zusammen sind eine tolle Sammlung für verschiedene Methoden. Ich muss allerdings sagen, dass ich das Malbuch deshalb auch nur in Kombination mit dem Wimmelbuch der Kunst empfehlen kann. Es macht zusammen einfach mehr Sinn. Schade finde ich deshalb lediglich, dass der Verlag das nicht so ankündigt – das Malbuch als Ergänzungsmaterial. Als alleiniges Malbuch empfehle ich in jedem Fall lieber Mein großes Kunst-Malbuch, das speziell für Kinder einladendere Bildmotive bietet. Wer allerdings Wert legt auf eine chronologische Betrachtung der Kunst- und Kulturgeschichte und das mit Kindern gemeinsam erleben will, für den eignet sich ein Paket aus Das große Wimmelbuch der Kunst und Das große Ausmalbuch der Kunst, die zusammen ein Traumpaar der Kunstvermittlung abgeben.

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