Comics sind Kunst. Diese Aussage unterstützen sich nicht nur Nerds, sondern viele Fans der Lustigen Taschenbücher, Liebhaber von Mangas oder Pferde- und Legocomics. Das Genre scheint riesig und schier unüberblickbar – für mich als Comiclaie zumindest. Wobei, bin ich das?

Vom Comic als Kunstform habe ich von Andreas Platthaus gelernt, der am Institut für Jugendbuchforschung in Frankfurt am Main darüber unterhaltsame Lehrübungen anbietet. Wer einmal in die Welt der Comic aus Sicht des FAZ Feuilleton-Chefs schnuppern will, kann das in seinem Comic-Blog,  den er regelmäßig in der FAZ veröffentlicht. Durch ihn habe ich über Zeichenstil, Sprachbesonderheiten und individuelle Handschriften und Geschichtsbewältigung gelernt. Und vor allem hat es meine Neugier am Comic geweckt, den ich in meiner Kindheit eher so als „nichts für mich“ abgestempelt hatte.

Generell ist Comic an diesem Institut für Kinder- und Jugendliteratur in Frankfurt ein eigener Forschungsschwerpunkt. Kürzlich sah ich Bernd Dolle-Weinkauff in einem TV-Interview, das später auch in den sozialen Medien geteilt wurde. Als „Comicforscher“ untertitelt gab es reißerische Kommentare mit welchem „Schwachsinn“ manche Menschen ihr Geld verdienen. Einerseits wird das Dolle-Weinkauff, der übrigens per se Germanist ist und bei dem Comicfoschung eines verschiedener Betätigungsfelder ua. im Rahmen seiner Professur an der Uni Frankfurt  ist, in keinster Weise gerecht und zum anderen zeigt sich darin die Geringschätzung des Comics.

Gerade aufgrund seiner Handwerklichkeit ist der Comic eine Kunstform an sich, eine unter vielen künstlerischen Ausdrucksformen. Beachtenswert ist seine große Verbreitung, die ab den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts zunehmend zu beobachten ist. Welche Kunstgattung sonst genießt diese Beachtung in der breiten Öffentlichkeit?   Dass es, unter anderem im Prestelverlag nun explizite Kunstcomics gibt ist eine Tautologie. Neugierig war ich dennoch und habe mich gefreut, dass ich den Gustav Klimt Comic von Prestel als Rezensionsexemplar bekommen habe.

Buch oder Ebook

Ich habe das Ebook vom Verlag bekommen. Ich fand es spannend mal ein Ebook zu testen, gerade weil ich selbst an meiner ersten Publikation in diesem Format schreibe. Zu den klassischen Ebook-Lesern gehöre ich (noch?) nicht, ich nutze ein iPad, besitze also kleinen klassischen Ebook-Reader. Meine Erfahrungen mit dem Ebook basieren folglich auf der Darstellung auf dem iPad und ich kann nicht sagen, ob es mit einem Kindle oder Tolino anders ist. Allerdings muss man bedenken, dass alle Darstellungen auf dasselbe ePub-Format zurückgreifen und eine ähnliche Konvertierung bzw. Darstellung zu erwarten ist.

Gleich vorweg: Die Konvertierung des Ebooks ist eine absolute Katastrophe.  Bei dem Hochkant-Leseformat fehlt der rechte Rand, das bedeutet Schrift und Bilder werden abgeschnitten. Drehe ich das iPad und versuche die Darstellung im Querformat, so ist alles bis zu den Seitenrändern abgebildet, allerdings fehlt der untere Teil der Seite. Es lässt sich auch nicht nach unten scrollen.

Der Comic enthält vermutlich doppelseitige Darstellungen, die im Ebook einfach nicht betrachtet werden können. Generell lässt sich nur durch ständiges Hin- und Herkippen annähernd eine Vorstellung des kompletten Ebooks erahnen. Lesegenuss ist anders. Das ist absolut frustrierend und unter dieser Voraussetzung kann ich nur absolut zur gedruckten Variante raten. Das Ebook bekommt so in dieser Art von mir Null Sterne, weil es absolut unbrauchbar, nein unleserlich ist!

Konzept des Kunstcomic

Ein wenig vom Leben des Künstlers, seiner Herkunft, einige markante Episoden und Wendepunkte des Lebens und die Vorstellung seiner Werke unter Einbezug historischer Ereignisse oder Gegebenheiten seiner Zeit – das ist es, was kurz den Inhalt aller Kunstcomics dieser Reihe beschreibt. Die Altersempfehlung bezieht sich auf Kinder im typischen Comicalter, ab etwa 9 Jahren bis zur Teeniezeit.

Erfahrungen im Lesen mit Comics muss der Leser mitbringen. Dinge wie die richtige Reihenfolge der Sprechblasen oder die Bedeutung verschieden geformter Blasen (Sprache, Gedanken) müssen klar sein. Mehr braucht es für diese sparsam ausgestatten Comics nicht.

Konventionelle Comics sind zum Alleinlesen gedacht. Dieser hier ist zumindest zum gemeinsamen Anschauen konzipiert. Ein gemeinsames Lesen oder Vorlesen ermöglichen die Sachtexte, die die einzelnen Comic-Abschnitte unterteilen.  Sie eignen sich als Einleitung, um sich tiefergehend – im Dialog oder im Rahmen des Kunstunterrichtes oder durch Weiterlesen in der kunsthistorischen Literatur – mit Themen, die unmittelbar den Künstler, seine Zeitgenossen und sein Umfeld betrafen, zu beschäftigen.

Frage der Zielgruppe

Zugegeben, dieser Kunstcomic sucht den speziellen Leser. Er soll 9-11 Jahre alt sein, laut Verlagsangabe, und sich dann für ein kulturelles-kunsthistorisches Thema interessieren. Soweit so gut. Als Medium wird der Comic gewählt, der einerseits Unterhaltung und andererseits Wissensvermittlung bringen soll. Nun stellt sich die Frage, ob die dargebotene Unterhaltung den Ansprüchen von Comic-gewöhnten Kindern im Alter ab 9 Jahren gerecht wird?

Die Zeichnungen sind recht nüchtern. Es gibt kaum Details, kaum Witz. Eventuell Sprachwitz – der Wiener Schmäh ist mit Fußnoten ins Hochdeutsche übersetzt. Der Spanungsfaktor hält sich in Grenzen. Es erinnert an ein Sachbuch, das versucht wurde auf hipp zu machen, um eine neue Zielgruppe anzusprechen.

Mal ehrlich – Brockhaus als Comic? Undenkbar. Für Kinder ist der Mix aus Sachbuch und Comic wenig reizvoll. Beide Genres haben ihre Daseinsberechtigung, sind allerdings mit gänzlich anderen Erwartungshaltungen verbunden. Diese müssen dann in einem Sachbuch-Comic, denn das sind diese Kunstcomics letztlich, auch bedient werden. Der Erwartungshaltung eines unterhaltsamen Comics steht dieser Kunstcomic aber weit nach. Für Kinder ergibt sich damit kaum Reiz. Wer an diesem Thema interessiert ist wird ein umfangreicheres Sachbuch vorziehen, um den Wissensdurst besser zu stillen als mit diesen unappetitlichen Appetithäppchen.

Anders sieht es allerdings für Erwachsene aus: Gerade wer schon einiges an Hintergrundwissen zu Klimt, der Wiener Secession und seiner Zeit mitbringt, wird diesen Comic als nette Unterhaltung empfinden. Irgendwie unterhaltsam ist er doch, wenn auch kein großes Kino. Für Kunstlehrer lassen sich einige Kapitel oder das gesamte Buch gut als Einleitung auf eine weitere Beschäftigung mit dem Thema verwenden. Dafür ist es überraschend gut geeignet.

Comic als Kunstform aber bitte mit Kunst

Die Kunstcomics sind von der Idee super. Sie eignen sich toll als didaktisches Mittel im Kunstunterricht oder für die Kunstvermittlung (Museen, private Vermittler…). Wünschenswert wäre die bessere Aufbereitung des Comics, damit diese ansprechender für die Zielgruppe ist: Sprachwitz, mehr bildnerische Dichte, etwas Action, mehr Pepp, mehr Popp… Aber: Unbedingt das gedruckte Exemplar kaufen (siehe oben)!

Für Eltern, die etwas für ihre Kinder suchen, ist dieser Kunstcomic eher nicht zu empfehlen. Die Chance, dass ein Kind mehr als einmal zu diesem Comic greift ist eher gering. Es fehlt dazu der Anreiz eines umfassender ansprechenden Comics. Ein Bildband zur Wiener Secession oder zu Klimt selbst ist in jedem Fall empfehlenswert.

Kunst-Comic Gustav Klimt, von Mona Horncastle. Prestel 2012. Ibsn:3791370928.

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