Die meisten Bücher mit Ratschlägen zur Kunstvermittlung starten im späten Grundschulalter, das heißt sie enthalten Vorschläge für die 3. und 4. Klasse. Schnell unterliegt man dem Irrglauben, dass Kinder vorher zu jung für Kunst sind. Ich spreche mich, aus eigener Erfahrung, für eine natürliche Art der Vermittlung aus, indem Kinder in Form von Ausflügen an Kunst herangeführt werden, weil es das Interesse der Eltern bedient. Kinder lernen am meisten durch Vorleben und übernehmen Verhaltensweisen der Eltern. Aus diesem Grund ist es wichtig eigene Interessen trotz Kindern weiter wahrzunehmen.

Kunst mit Baby

Als frischgebackene Mama verbringt man den Alltag oft zwischen Wickeln, Stillen, Umziehen, in den Schlaf begleiten oder das Kind herumtragen. Für die meisten Mütter findet der Alltag in den heimischen vier Wänden statt. Ein Museumsbesuch? Undenkbar? Was, wenn das Kind schreit und es sich nicht sofort beruhigen lässt? Sofort werden alle Augen auf einen gerichtet sein und man verlässt ohne ein Wort die Ausstellung – so ist wohl die Vorstellung der meisten Mütter. Zeit den Fokus neu zu justieren: Speziell das erste Jahr Elternzeit bietet die Möglichkeit sich neuen Interessen und Unternehmungen zuzuwenden, mit Baby selbstverständlich.

Viele Museen haben die Möglichkeit längst erkannt und bieten spezielle „Kunst mit Baby“ Zeiten an. Meist am späten Vormittag, etwa in der Zeit des ersten Mittagsschläfchens, bieten zahlreiche Institutionen deutschlandweit Führungen an. Dass das Baby während der auf maximal eine Stunde begrenzten Museumszeit gestillt, gewickelt oder getröstet werden muss, ist selbstverständlich eingeplant und organisatorisch vorbereitet. Der Kunstpalast in Düsseldorf verweist in seiner Onlineankündigung der aktuellen Kunst mit Baby – Führungen speziell auf die Möglichkeit nach der Veranstaltung mit anderen Müttern in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Damit die kulturelle Auszeit aus dem Alltag gelingt stellen manche Museen, wie beispielsweise das Historische Museum in Frankfurt, Babytragen zum Ausleihen zur Verfügung. Während dieser Führungen ist das Museum für den öffentlichen Verkehr gesperrt, so dass nur Mütter von Kindern bis 1 Jahr teilnehmen, die für Unterbrechungen durch Stillen, Trösten, Weinen Verständnis haben.

Kunstbücher für Kleinkinder

Die erste bewusste Annäherung an Kunst ist am einfachsten zuhause zu ermöglichen. Das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl, schult die visuelle Wahrnehmung und fördert das Sprachvermögen. Besonders beliebt sind im Alter ab etwa 2 Jahren Wimmelbücher. Die großformatigen Bücher zeigen in der Regel Motive, die sich über eine Doppelseite erstrecken. Abgebildet sind viele feine Details, die sich zu einer Gesamtszenerie fügen. Diese Bilder sind super zum immer neu entdecken, zum Erzählen einzelner Geschichten und zum Suchen von Gegenständen. Besonders letzteres ist ab etwa 2 Jahren bereits gut möglich. Spielerisch wird so der Wortschatz erweitert. Außerdem lernen die Kinder spielerisch ihre Konzentration auszuweiten, das heißt sich länger mich einer Sache zu befassen. Durch das Eintauchen in die Gesamtszene und die Konzentration auf einzelne Details lernen die Kleinen ein neues, intensives Sehen, das auch für andere Lebensbereiche förderlich ist.

Mein großes Buch der Kunst: Ich sehe was, was du nicht siehst! (Werbelink) ist ideal für erste Seh-Erlebnisse. In mehr oder weniger „dichten“ Bildern, beispielsweise von Miró oder Acrimboldo, die quer durch die vielen Jahrhunderte europäischer Kunstgeschichte führen, lassen sich Gegenstände entdecken: Schaukelpferd, Schildkröte, Qualle, eine Turmuhr oder spielende Hunde. Ganz nebenbei lassen sich die berühmten Meisterwerke entdecken und werden zur „Sehgewohnheit“. Das sich Verlieren im Bild ist eine der Fähigkeiten, die fundamental für das Sehen von Kunst ist. Diese wird hier in frühem Alter geschult, so dass die Kinder später immer wieder darauf zurückgreifen können.

Ein großer Meilenstein der Seh- und Sprachentwicklung ist das Erkennen und Benennen von Farben, das ab etwa 2,5 Jahren für Kleinkinder interessant und spannend wird. Mit Kunst. Mein großes Buch der Farben: Ich sehe was, was du nicht siehst! (Werbelink) lassen sich immer neue Suchspiele von Farben, aber auch hier Gegenständen und Geschichten entwickeln. Das Buch enthält bereits viele Vorschläge und einfache Fragen, die das kindliche Interesse bedienen. Alles funktioniert nach dem einfachen Spielprinzip „Ich sehe was, das du nicht siehst“. Dabei ist das Finden von Grundfarben ein einfacher Einstieg für die Jüngsten. Das Buch bleibt jedoch auch über das frühe Kleinkindalter hinaus interessant. So lernen größere Kinder von verschiedenen Farbnuancen, die sich insbesondere in expressionistischen Gemälden verstecken. Für Kinder, die bereits über ein gutes Sprachvermögen verfügen, sind vor allem die Fragen zur Farbwirkung interessant. Welche Gefühle oder Situationen werden mit Hilfewelcher Farben verdeutlicht? Wie wirkt etwas in dieser oder jener Farbe? Die offen formulierten Fragen des Buches laden zum intensiven Betrachten der einzelnen Kunstwerke ein, wecken die Neugierde und führen vorsichtig an erste Deutungen von Inhalten und einzelnen Motiven heran. Am Ende des Buches sind die Lösungen versteckt, so dass eine erfolglose Suche nicht frustrierend bleiben muss.

Das Buch präsentiert insgesamt 21 Bilder. Vor allem klassischen Wimmelbild-Maler wie Hieronymus Bosch, Jackson Pollock oder Klimt wird das riesige Format gerecht. Im diesem, für Wimmelbücher üblichen XXL Format, lassen sich auch feine Details in, auf den ersten Blick überladen wirkenden Gemälde entdecken. Der Clou ist jedoch eine Komposition von Matisse in Buchmitte, die sich zusätzlich zum bereits imposanten Format noch aufklappen und somit vergrößern lässt.

Kunstwimmelbücher bedienen sich hauptsächlich der optischen Kunstvermittlung. Dennoch sind sie unbedingt empfehlenswert. Vor allem der Aspekt der spielerischen und unbewussten Annäherung an bekannte Kunstwerte ist fundamental: Kinder werden diese Werke später (im Museum) wiedererkennen bzw. auch Werke dieser Epochen, mit ähnlichen Stilmerkmalen, Motiven oder des gleichen Künstlers. In Echt Dinge aus dem Buch wiederzuerkennen wird dann unweigerlich zu einem neuen Spiel werden, ebenso Unterschiede zu anderen Gemälden und Kunstwerken gleichen Sujets. Nachhaltiges Interesse wecken ist, neben Freude an der Interaktion, das oberste Ziel der Kunstvermittlung für Kinder; Kunstwimmelbücher sind dazu bestens geeignet. Für spezifische Interessen bietet der Markt thematische Angebote, wie beispielsweise SEEMANNs Kunst-Wimmelbuch: Von Rittern und Fabelwesen oder *SEEMANNs Kunst-Wimmelbuch: Von Affen und Giraffen(Werbelink).

All diese Bücher eignen sich besonders gut für Kinder bis etwa 4 oder 5 Jahren. Das bedeutet natürlich nicht, dass größere Kinder keine Lust am Sehen innerhalb dieser Werke entwickeln. Ideal sind diese auch, um Geschwister unterschiedlichen Alters gemeinsam zum Sehen anzuregen. Gemeinsame Suchspiele sind ebenso denkbar wie differenzierte Aufgaben für jedes Kind an einem gemeinsamen Bild.

Was für größere Kinder ab dem Grundschulalter für Aufgaben gestellt werden können und welche Bücher ich selbst besonders gern zur Kunstvermittlung verwende, zeige ich im nächsten Blogpost „Kunstvermittlung für Grundschulkinder“.

 

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