Kinder und Kunst, das passt perfekt zusammen. Kinder malen gern und drücken sich gern kreativ aus. Die Lust an Farbe und am Experimentieren kann man ideal nutzen, um handfestes Wissen über Kunst wie etwa historisches, technisches oder ikonografisches zu vermitteln. Kindern öffnet das ihren Erfahrungshorizont und es schenkt ihnen die Möglichkeit tiefer und intensiver in (neue) Bildwelten einzutauchen. Die idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen Museumsbesuch und ein langfristiges Interesse an Kunst.

Neue Fragen zu bekannten Kunstwimmelbüchern

Wenn Kinder das Prinzip Wimmelbücher kennen, halten sie gern an diesen bekannten Spielregeln fest. Das Prinzip Dinge zu suchen oder kleine Geschichten inmitten einer wuseligen Seite zu entdecken bleibt lange spannend. Die im letzten Blogbeitrag vorgestellten Kunstwimmelbücher Mein großes Buch der Kunst: Ich sehe was, was du nicht siehst! (Werbelink) und Kunst. Mein großes Buch der Farben: Ich sehe was, was du nicht siehst! (Werbelink) kommen auch jenseits der Kleinkindjahre noch zum Einsatz. Die Fragen zum Suchen können differenzierter gestellt werden, insbesondere zu Farbwirkungen, Farbmischungen oder inhaltlichen Aspekten. Um das vorzubereiten, lohnt es sich andere Bücher als Hilfsmittel hinzu zu nehmen.

Mischmasch an Farben

Im Alter von etwa 5 Jahren experimentieren Kinder mit Farben und entdecken Mischfarben. Sie kennen den Namen der Farben und entwickeln ein Verständnis für ihr Mischverhalten. Neben der Ermutigung zum Malen mit Wasserfarben ab 3, kann ich das Mitmach Buch von Herve Tullet empfehlen. Das Mitmachbuch ermuntert Kinder per Druck auf einen farbpunkt alle Farben herbei zu rufen, um mit ihnen zu experimentieren. Gelb und Blau werden durch Reibung auf dem Buch eindrucksvoll zu Grün gemischt. Auch Rot und Blau und Rot und Gelb werden zu neuen Farben verwandelt. Außerdem lernt das Kind über Grattagen und andere Farbexperimente. Das Buch ersetzt keinesfalls den Umgang mit „echten“ Farben, da es die haptische Erfahrung ausklammert. Allerdings ist es eine tolle Möglichkeit, um beispielsweise abends im Bett nochmals zu vertiefen, was am Tag mit echten Farben experimentell erfahren wurde.

Mit diesen erworbenen Grunderfahrungen lassen sich in den Kunstwimmelbüchern neue Fragen zu Farben entwickeln: Zeige Mischfarben; Welche Grundfarben gibt; Wie sind die Farben angeordnet, welche Töne dominieren? Insbesondere bei abstrakten Werken, wie etwa denen von Franz Marc oder Robert Delaunay, lassen sich Farbstudien anstellen.  Erste Aussagen zur Technik können Kinder in diesem Alter bereits ebenfalls tätigen: Die gespritzte Farbe Jackson Pollocks beispielsweise ist leicht erkenntlich und lädt zum Nachmachen ein. Es lohnt sich dafür verschiedene Farben bereit zu stellen, um die unterschiedliche Wirkung von Ölfarbe, Acrylfarbe, Wasserfarbe oder Tinte zu testen. Auch unterschiedliche Untergründe wie etwa Tapete, Stoff, Leinwand, Holz, Stein oder Pappe bieten spannungsreiche Medien. Die Selbsterfahrung führt dazu, dass Kinder Techniken und verwendetes Material wiedererkennen.

Zur ergänzenden Aufarbeitung dieses Themas lohnt es sich verschiedene Farbkreise zu betrachten. Eine besonders einfache Variante ist der von Isaac Newton, der bereits 1700 entwickelt wurde. Etwas differenzierter ist Goethes Modell, das über 100 Jahre später von ihm entwickelt wurde. Beide eignen sich, um das Prinzip des Farbmischens aus 3 Grundtönen zu erläutern. Der 12-teilige Farbkreis von Johannes Itten ist komplexer und eignet sich erst für größere Kinder ab Mitte oder Ende der Grundschulzeit. Alle Farbkreise gibt es im Internet als Vorlagen, so dass sie ausgedruckt und gemeinsam ausgemalt werden können. Sie eignen sich auch als Gesprächsgrundlage, um über die historischen Personen Newton, Goethe oder Itten zu berichten.

Erste historische Abfolgen erkennen

Mit einem sich entwickelnden Zeitempfinden der Kinder können die Bilder entsprechend einer weiter und näher zurückliegenden Geschichte geordnet und bewertet werden. Ideal dafür ist Das große Wimmelbuch der Kunst (Werbelink).

Ausgehend von Höhlenmalereien der ersten Menschen zeigt das Buch die Kunst der Ägypter, Griechen und Römer. Es bietet jeweils eine Seite zu frühchristlicher Ikonografie, barocker Kunst und perspektivischen Entdeckungen der Renaissance. Kinder können darin sehr gut nachvollziehen wie sich Malstile durch die verschiedenen Epochen hinweg verändert haben. Besonders die Errungenschaften der Renaissance sind sehr gut nachvollziehbar. Das Buch enthält eine Doppelseite, die im Louvre angesiedelt ist. Die Bilder der vorherigen Seiten sind hier als gerahmte Werke versammelt. An dieser Stelle lässt sich ein Quiz einbinden- welche Bilder gehören zu welcher Zeit; was war früher, was war später.

Das Buch zeigt nicht nur Gemälde, es bietet auch aufgrund seiner umfassenden Darstellung der jeweiligen Epoche und ihrer Lebensumstände die Möglichkeit über allgemeine Lebensbedingungen der Zeit zu sprechen und über geschichtliche Ereignisse, jeweils immer angepasst an den Verständnishorizont vom Kind.

Zum intensiven Sehen motivieren

Alle Methoden, die zum intensiven Sehen motivieren eignen sich zur Kunstvermittlung. Eine andere Herangehensweise als ein Suchbild sind Fälschungen. Echt gefälscht!: Finde die Fehler des Kunstfälschers! (Werbelink) zeigt Werke von beispielsweise Carl Spitzweg in hochauflösender Qualität. Die auf dem Fake eingebauten Fehler orientieren sich am Malstil des Originals und sind deshalb nicht auf den ersten Blick zu entdecken. Zwischen 15 und 25 Abweichungen vom Original gilt es zu finden. Mit der Suche begeben sich die Kinder tief in das Bild hinein. Sie entdecken Dinge, die beim normalen, oberflächlichen Betrachten nicht wahrgenommen würden. Auf diese Weise lassen sich Geschichten im Bild finden, die als Erzählung oder einfach Schilderungen der eigenen Wahrnehmung weitergesponnen werden können.

Andere Impulse

Für die Arbeit mit Kindern verwende ich nicht ausschließlich Kinder-Kunstbücher dieser Art. Ich verfüge in meiner eigenen Bibliothek über ein großes Spektrum an Ausstellungskatalogen und historischen Romanen, die zum Teil reich bebildert sind. In meinem nächsten Blogbeitrag zeige ich, was meine Favouriten für Kinder sind und wie ich sie verwende.

 

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