Die Weihnachtsfeiertage sind der ideale Zeitpunkt, um gemeinsam mit der ganzen Familie ein Museum zu besuchen. Die Ausstellungen sind meist alles andere als überfüllt und oftmals bieten vor allem die kleineren Ausstellungsstätten tolle Sonderaktionen für Kinder an.

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Frankfurt hat als besonders Weihnachts- und Feiertagsangebot seine Sonderausstellung „Lego Zeitreise“ noch bis zum 8. Januar verlängert. In insgesamt  sechs Displays haben die Lego-Designer von Design in Stein verschiedene Meilensteine der Menschheitsentwicklung nachgebaut.

Warum Lego und Archäologie super funktioniert

Die Legozeitreise eignet sich ideal, um mit Kindern das Museum für Vor- und Frühgeschichte zu entdecken. Es liefert vielfältige Optionen, um zu verschiedenen Themen ins Gespräch zu kommen, diese außerhalb des Museums zu vertiefen oder um einen ausgiebigen Bummel durch die Sammlungswelten des Museums zu unternehmen. Gerade, weil das Museum sehr klein ist, eignet es sich ideal für Kinder. Diese werden durch die Zahl der Exponate nicht überfordert. Außerdem ist es möglich nur auf einzelne Interessen einzugehen und diese zu vertiefen, indem mit Zeit nur einige ausgewählte Stücke des Museums betrachtet werden.

legozeitreise-11Die zwischen den Sammlungen aufgestellten Legotische (und Duplo-Tische für die noch kleineren Kleinen) laden zum Bauen ein. Sie sind ideal, um Gesehenes zu verarbeiten, weiterzudenken und ergänzend dazu zu bauen. Dafür sollten Besucher mit Kindern unbedingt Zeit einplanen, das Museumscafé mit Selbstbedienung (Kleingeld nicht vergessen für den Automaten) ist in diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen. Diese Legospielflächen sind toll für Familien mit mehreren Kindern, so ist es möglich gezielt nur mit einem Kind einen Rundgang zu für dieses Kind interessanten Exponaten zu unternehmen, während die anderen Kinder bauen und spielen können.

Lego ist das ideale Medium, um archäologische Artefakte kindgerecht zu vermitteln. Lego ist für die meisten Kinder ein Teil ihres Alltags, ihrer „gewohnten“ Umgebung. Scheinbar abstrakte und seh-fremde Objekte wie Tonscherben, Pfeilspitzen, Grabanlagen oä. Werden in diese Sehgewohnheiten eingebaut und damit der Zugang zu ihnen geebnet. Lego funktioniert als eine Art Rekonstruktion, um Artefakte in ihrer Ganzheit erfahrbar werden zu lassen.

Urzeit und Lego-Mammuts

legozeitreise-13Der erste Schaukasten zeigt die Jagd von Urzeitmenschen auf ein Mammut. Im Museum für Vor-und Frühgeschichte wurden dem Lego-Display Schaukästen mit archäologischen Funden von Jagdwaffen und Pfeilspitzen zur Seite gestellt.  Die Szene ist sehr detailreich und liefert Gesprächsstoff für urzeitliche Pflanzenwelt, Höhlenmalerei, Neandertaler, Evolution, ausgestorbene Tierarten, Artenschutz, Geschichte der Jagd, Sammler und Jäger, Nutzung von Höhlen, Entwicklung von Wohnraum …

Die gesamte Geschichte der gebauten Umwelt lässt sich ausgehend von dieser Sequenz erzählen. Nicht umsonst wurde dieses Lego-Display als Logo für die Zeitreise gewählt. Es ist auch das Motiv, das meine Kinder am meisten beeindruckt hat. Die Herausforderung ein Mammut nachzubauen konnte nicht bis zuhause warten, es musste sofort vor Ort realisiert werden und ist erstaunlich schnell gelungen.

Hügelgräber und Grabbeigaben

Ein weiteres Display zeigt eine Hügelgrabanlage wie sie typisch in der Keltenzeit war. Ein eben solches Grab mit einem monumentalen Hügel von 36m Durchmesser und über 3m Höhe hatte man in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in Oberrad in Frankfurt gefunden. Mit reichen Beigaben ausgestattet lag darin der sogenannte Keltenfürst von Frankfurt, der um 700 v.Chr. bestattet wurde.  Leider ist der Keltenfürst, der sonst im Museum zu sehen ist, zur Zeit in Restauration. Als authentische Museumsexponate werden in direkter Nähe zum Legokasten Grabbeigaben  wie Toilettenwerkzeuge oder Schmuck gezeigt. Im Museum befinden sich außerdem sein Schwert, eine wundervolle Bernsteinkette und Gefäße.

Dieses Motiv ist ideal, um beispielsweise über Begräbnisriten zu sprechen. Vergleiche zu anderen Hochkulturen, wie beispielsweise den Ägyptern, bieten sich an. Aber auch eine Weiterentwicklung monumentaler Grabstätten für Herrscher kann ein spannendes Thema sein. Das Augustusmausoleum, das Mausoleum des Theoderich in Ravenna oder auch utopische Entwürfe wie Boullees Grabmal für Newton sind spannende Weiterführungen. Um im Bereich der Kelten zu bleiben, bietet sich ein Besuch des Keltenmuseums am Glauberg an.

Kelten und Wikinger – frühe, fast vergessene Hochkulturen

Den Kelten gegenübergestellt wird die Welt der Wikinger und damit eine weitere Hochkultur der Vergangenheit: Ihr Boot sticht in See und die Wikinger lassen ihre Wohnsiedlung mit dem skandinavischen Lebensalltag hinter sich. Dieser wird als bäuerliches Leben mit Handwerkskünsten dargestellt. Das Wikingerschiff ist ein Langschiff mit Drachenkopf und vielen Reihen Ruderbänken. Korrespondierend zum Museumsbestand wird vor allem der betriebene Handel mit Robbenfellen im Tausch gegen andere Waren thematisiert. Über Wikinger ist unser Wissen recht gering. Sie gelten als ein Volk barbarischer Eroberer, als historische Seefahrer. Kulturwissenschaftlich interessant sind die Götter- und Sagenwelt und vor allem die Techniken der Seefahrt mit ihren Navigationsinstrumenten. Einen recht guten Überblick über das Leben der Wikinger, das von mehr als beuterischen Eroberungszügen geprägt war, schenkt die Webseite Wikinger.

Römer und ihre Freizeit

legozeitreise-6Passend zum Sammlungsschwerpunkt des Museums sind der Römerzeit zwei Schaukästen gewidmet. Ein Wachturm des Limeswalls, der mit einer Fotografie der begehbaren Rekonstruktion eines Limes Wachturms in Idstein korrespondiert, zeigt die meisterhaften Bauwerke der Römer. In Schaukästen werden neben Schreib- und Planungswerkzeugen auch „Bauhelme“ und andere Werkzeuge der Erbauer gezeigt. Demgegenüber steht eine klassische römische Bäderarchitektur, die einen Teil des Kulturlebens dieser Zeit lebendig werden lässt. Vom Balkon grüßen Kleopatra und Cäsar und der Eingang zur römischen Villa wird von antiken (griechisch inspirierten) Reiterstandbildern flankiert.legozeitreise-8

Diese zwei Kästen bilden den optimalen Ausgangspunkt, um das Museum zu entdecken. Im hinteren Teil des Erdgeschosses wird den Fragen nachgegangen wie die Römer ihre Freizeit gestalteten. Das römische Theater mit seinen kunstvollen und farbigen Masken ist ein spannendes Thema. In ihm zeigt sich die starke kulturelle Orientierung am antiken Griechenland und dem Hellenismus. Die Anforderungen an den römischen Schauspieler waren hoch. Er musste nicht nur das goldene Mittelmaß körperlich erfüllen, sondern auch sonst bereit sein in  jede Rolle zu schlüpfen. Um das zu ermöglichen standen ihm verschiedene Masken zur Verfügung. Das erklärt, warum diesen im römischen (Theater-)Spiel eine Schlüsselrolle zukommt. Gesellschaftlich ist das römische Theater von höchster Bedeutung, sollte es einerseits durch thematisch entsprechende Stücke den Machterhalt der Herrscher sichern, hatte es andererseits die Aufgabe die Bevölkerung von politischen Entscheidungen abzulenken. Die Römer entwickelten den ersten Theaterbau in Form eines umschlossenen Gebäudes, der den Beginn einer eigenen baulichen Formensprache definiert.

Als weiterer Punkt der Freizeitgestaltung werden im Museum Spiele gezeigt, die den Römern für Kurzweil sorgten und zum Teil zu unserer heutigen Lebenswelt gehören: Mühle und Würfelspiele. Diese können vor Ort getestet werden. Die meisten dieser Spiele sind aus bildnerischen Darstellungen überliefert. Die Regeln der Spiele haben sich in den seltensten Fällen erhalten, dennoch sind einige Spiele nahezu unverändert heute noch Teil europäischer Lebenswelten. Merels beispielsweise, in Deutschland als Mühle bekannt, ist bis heute gebräuchlich. Spannend ist ein ebenfalls ausgestelltes Würfelspiel aus Knochen oder Elfenbein. Gewürfelt wird mit Hand oder Becher, mit vier oder fünf Würfeln. Diese sind aus Elfenbein oder Knochen gefertigt. Sie können die Form von Wirbeln haben. Jedes mögliche Ergebnis ist einem Begriff zugeordnet, dem eine bestimmte Punktzahl entspricht. Der Hund ist dabei die schlechteste Wertung mit nur einem Punkt. Daraus erklärt sich auch die heute noch gebräuchliche Redewendung des Hundswurfs.

Mehr zum Leben der Römer lässt sich in der NIDA-Stadt entdecken. Zwar wurden die Reste der römischen Stadt aus dem 3. Jahrhundert spätestens mit Ernst Mays Römersiedlung überbaut, doch zeugt der archäologische Rundweg auf mehreren Informationstafeln von dieser Stadtanlage mit Hafen, von dem oft als „teutsches Pompeji“ die Rede ist.

Mittelalterliches Leben

Der letzte Legokasten zeigt das mittelalterliche Leben nahe einer Burg. Passend dazu sind die mittelalterlichen Funde von Alltagsgegenständen der Frankfurter ausgestellt. Gefunden auf den Müllbergen des Mittelalters zeugen sie heute von dem damaligen Tagesabläufen und Gebräuchen. Austernmuscheln mögen als Speiseabfälle überraschen. Die Knochen eines Schafes weniger. Spannend sind die gezeigten Lederstiefel. Dieser Legokasten lädt zu einem Besuch der mittelalterlichen Überreste der Stadt ein. Die Kasematten, das alte Karmeliterkloster und andere Zeugen mittelalterlichen Frankfurts lassen sich mit diesem Aufhänger gut besuchen.

Was nach der Ausstellung kommt

legozeitreise-3Lego funktioniert nicht nur in 3D. Auch 2D Malereien sind möglich und nicht minder beeindruckend. Die Höhlenmalerei der Urzeit ist faszinierend in vielen 1er Legosteinen umgesetzt und zeigt ein Mammut in den typischen Erd-/Terracottatönen wie sie Höhlen wie der in Lascaux entstammen könnten.

Nicht minder beeindruckend ist eine zweidimensionale Umsetzung einer mittelalterlichen Buchseite in Lego. Sie bietet den idealen Einstieg in die mittelalterliche Literaturwelt und einen Zugang zu Gedichten von Walter von der Vogelweide. Super, um daheim die Ausstellung noch einmal Revue passieren zu lassen:

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Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine;
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben:
deheinen rât kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der deheinez niht verdurbe.

Wenn das zu viel ist, dann tut es vielleicht das gute alte Mühlespiel. Das war bei uns nach der Ausstellung angesagt. Wer kein Mühle zuhause hat, kann schnell eines bauen und als Spielsteine Lego nutzen – so haben wir es gemacht.legozeitreise-18

Der Nachbau der Schaukästen stand Zuhause ebenfalls auf dem Programm. Vor allem die Urzeit hing noch immer in den Köpfen und wurde wieder belebt.

Ideal zur Nachbereitung dieses Museumsbesuchs – eventuell sogar auf der Heimfahrt – ist Das große Wimmelbuch der Kunst (Werbelink). Dieses hatte ich schon einmal vorgestellt und für Kinder ab dem Grundschulalter empfohlen. Spielerisch in Form von Suchbildern kann es nach einem solchen Ausflug auch schon früher genutzt werden. Höhlenmalereien und die Zeit der Römer ist in zwei großformatigen Bildern illustriert und thematisiert noch einmal viele Dinge, die im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Frankfurt zu sehen sind. Es ist eines der Bücher, die ich uneingeschränkt für alle Familien empfehle, da es vielfältig einsetzbar ist, recht spielerisch betrachtet wird und an sehr viele kulturelle Ereignisse, Ausstellungen oder auch Alltägliches erinnert und Gesprächsanlässe bietet.

Archäologie für Kinder?

Das Thema klingt trocken und absolut nicht kindergerecht. Ich selbst habe oft meine Schwierigkeiten mir an Ausgrabungsstätten vorzustellen wie der Urzustand war (Forum Romanum, Knosses…). Allerdings erinnere ich mich auch selbst an meinen Berufswunsch als Kind: Archäologin. (Hat ja fast geklappt!) Faszinierend ist es in jedem Fall Stücke einer anderen Welt auszugraben. Dabei müssen es nicht unbedingt ägyptische Mumien sein.

Ohne die Legozeitreise hätte ich vermutlich dennoch nicht unbedingt das Museum für Vor- und Frühgeschichte als Ausflugsziel für eine Familie gewählt. Außerhalb der Sonderführungen für diese Zielgruppe dürfte es für Eltern schwer sein die Kinder für Keramikschalen oder deren Bruchstücke zu begeistern. (Auch wenn dazwischen faszinierende Schmuckstücke, Handspiegel oder tolle Skulpturen stehen). Dank der Lego Zeitreise ist es leicht Kinder an dieses Thema heranzuführen. Wir haben in der Ausstellung so viele neue Impressionen bekommen, die für jede Menge Gesprächsstoff sorgen. Neben den oben angeführten historischen Themen ist allgemein das Arbeitsfeld Archäologie in unseren Interessensschwerpunkt gerutscht. Wie finden Archäologen etwas? Wie läuft eine Suche ab? Wie eine Ausgrabung? Was passiert mit den gefundenen Sachen? Woher ist klar, ob die gefundenen Stücke historischen Wert haben?… Das alles sind Fragen, die nach und nach aufgeworfen werden und die wir versuchen gemeinsam zu beantworten.

legozeitreise-20Ich bin kein Fan der Ausgrabungssets (Werbelink) aus dem Spielwarenhandel. Darin muss mit Hammer und Meissel oder mit einem Holzspatel ein Dino aus einer Gipsummantelung ausgegraben werden. Dank Weihnachten lag eines dieser Sets hier. Immerhin konnten die Kinder damit lernen, dass Ausgrabungen keineswegs – wie der Name verheißt – mit einem Spaten vorangehen. Welch Ausdauer fordernde Arbeit eine Ausgrabung ist, lässt sich mit dem Set, das es meist mit Dinos (Werbelink) oder mit Fossilien (Werbelink)aber auch mit Mineralien (Werbelink)gibt, gut nachvollziehen. Nähere Informationen zum Berufsbild und zu Ausgrabungen werden wir in den nächsten Wochen nach und nach erkunden.

 

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