Bisher habe ich für alle meine Veranstaltungen einen großen Bogen um Kunstmalbücher gemacht. Irgendwie ist ausmalen unkreativ. Ohne überlegen rumkritzeln, das eignet sich, um die Gedanken kreisen zu lassen, zu entspannen. Aber für die Kunstvermittlung – nein. Das dachte ich zumindest bisher und dann bekam ich vom Prestel Verlag ein schon 2012 erschienenes Kunst-Malbuch: Anette Roeder. Mein großes Kunst-Malbuch. München 2012. Isbn: 978-3791370965.

 

Kein AUS-Malbuch, sondern ein Titel, der die Bezeichnung Malbuch verdient
Das Buch ist chronologisch und damit entsprechend der Kunstgeschichte aufgebaut. Die Werkauswahl beginnt mit Höhlenmalerei und endet im 20. Jahrhundert. Den einzelnen Werken ist in der Regel die Doppelseite gewidmet. Auf dieser befindet sich entweder das gesamte Bild oder aber ein Detail. Aufgabe ist es dieses Werk weiter zu zeichnen oder aber exakt das Gemälde noch einmal zu malen mit kleiner Variation, beispielweise statt einer Sommeransicht als Wintervariante. Ob weiterzeichnen, variieren oder einzelne Bildinhalte ergänzen – der Malende ist herausgefordert genau zu schauen, um Farben, Malstil und Bildmotive zunächst zu erkennen und in einer eigenen Bildvariante zu verarbeiten.
Es geht tatsächlich an keiner Stelle um ausmalen oder Malen nach Zahlen, es geht auch nicht darum den Künstler zu kopieren und seinen Genius zu erreichen, sondern um die Verwirklichung der eigenen inneren Vorstellung. Dieses Buch regt zum Malen an aber insbesondere auch zum richtigen Sehen. Für mich ist dieses Buch das bisher erste, das tatsächlich ein Malbuch ist (und eben kein Ausmalbuch).

Die Frage der Zielgruppe
Das Buch ist als Kinderbuch gestaltet. Das Schwein Paul Pinselschwein begleitet den Maler durch die verschiedenen Epochen, findet sich als Suchbild in einigen Werken, gibt Hinweise oder witzige Kommentare. Das Buch ist für Kinder zwischen 6 und 8 Jahren angegeben. In dieser Altersklasse kann es auch allein als Malbuch genutzt werden. Eine inhaltliche Vermittlung findet dann nicht statt, dann diese ist nicht selbsterklärend.
Ältere Kinder, die bereits ein gutes Grundwissen im Bereich der Kunst- und Kulturgeschichte haben, werden viele bekannte Bilder wiedererkennen. Doch auch da findet wenig inhaltliche Arbeit statt. Ist ja auch kein Muss, unterhaltsam ist das Buch in jedem Fall und es bringt definitiv abwechslungsreichen Spaß ähnlich die Kinder Bastelbüchern, die es von verschiedenen Anbietern am Markt gibt. Hier eben auf klassische Gegenstände der Kunstgeschichte bezogen.

Zur Kunstvermittlung perfekt
Das Malbuch eignet sich perfekt zur Kunstvermittlung. In Schulen oder Museen ist es ideal einzusetzen, um die im Buch vorkommenden Bilder oder andere Werke dieser Künstler oder eben die behandelten Themen zu besprechen. Empfehlenswert ist es dafür zusätzliches Material zu verwenden, um beispielsweise die Originalbilder direkt mit den Abbildungen dieser im Malbuch zu vergleichen. Ideal dafür ist das Das Prestel Kinder Kunstspiel 2. In diesem sind viele der hier vorkommenden Werke auf einer Karte abgedruckt. Das lässt sich gut ergänzen. Nach dem Malen eines Bildes im Kunst-Ausmalbuch können sie ihr Werk mit dem Original vergleichen: handelt es sich um einen Bildausschnitt, sind die Farben anders, wie ist die Bildwirkung, welche anderen Bildgegenstände kommen vor und wie verändert das die Bildaussage. Je nach Alter der Kinder gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um so die klassischen Werke der Kunstgeschichte zu besprechen.

Apropos Kinder: Ja wer sagt, dass die Zielgruppe Kinder sind? Je nach Zusatzmaterial kann dieses Buch auch in der Kunstvermittlung für Erwachsene eingesetzt werden.

 

 

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