Griechisch Verfugen: Mosaik als traditionelle Legetechnik im Kunstunterricht 

Nachdem ich den Kindern der 6. Klasse einige mythologische Geschichten, vor allem von Zeus, Europa, Adriadne, Daidalos und Theseus, aus dem Buch Ich, Zeus, und die Bande vom Olymp vorgelesen hatte, waren sie bereits gut auf das Antike Griechenland eingestellt. Der Geschichtsunterricht, der inhaltlich parallel läuft, hat ebenfalls eine gute Basis geschaffen, um sich weiter mit dieser Kultur zu beschäftigen. Eine der ältesten kunsthandwerklichen Techniken ist das Legen von Mosaiken. Das haben natürlich nicht die Griechen erfunden, allerdings gibt es einige griechische Mosaike, die sehr beachtenswert sind.

Die früheren Mosaike bestehen aus verschiedenfarbigen Kieselsteinen. Diese Steine sind rund, weil Wasser und Sand sie geschliffen haben. Dennoch sind sie nicht gleichförmig, sondern weisen alle leicht unterschiedliche Formen auf. Daraus ergibt sich der besondere Reiz. Auch bei späteren Mosaiken, wo die Steine aus Stein oder Glas geschlagen wurden, gibt es weiterhin diese Unebenheiten, die eben durch die Handarbeit entstehen. Auch gebrannte Mosaiksteine sind unterschiedlich hoch und nicht immer exakt gleich groß. Auf diese Weise ergibt sich ein interessantes Spiel aus Licht und Schatten und eine sehr belebt wirkende Oberfläche. Das Haptische spielt hier ebenfalls eine Rolle. Zumindest ich möchte immer über Mosaike streichen, die Fugen nachfühlen und die unterschiedlichen Höhen der Steine oder auch ihre verschiedenen Oberflächen. Diese Faszination wollte ich auch an die Schüler weitergeben, so dass ich Mosaiksteinchen aus gebranntem Ton in verschiedenen Farben, Legeplatten aus Sperrholz, Mosaikkleber und Fugenmasse bestellt habe. (Mosaikzangen hatten wir glücklicherweise bereits).

Die bestellten Steinchen sind 1×1 cm groß. Als Plattengröße gab es 24x24cm Platten und kleinere 11×11 cm Platten. Für die Schüler mit ca. 12 Jahren empfehle ich die kleineren Platten mit 11cm Kantenlänge. Zwar ist es auf diesen durchaus schwieriger filigrane Motive zu legen als auf der großen Fläche, jedoch bekommen die Schüler das überwiegend sehr gut hin. Für die größeren Platten bedürfte es wahnsinnig viel Geduld. Da die Steine im Schnitt geviertelt werden, müssen bei den kleineren Platten immerhin knappe 500 Steine gelegt werden. Bei den großen Platten ist es dann viermal so viel. Diese Geduld haben die Sechstklässler meist noch nicht. Wer es zuhause ausprobiert, kann die größere Platte wählen und mehr Pausen einplanen oder eben auch mal an Stück länger als die 90 Schulminuten arbeiten, so dass dies sicher gut klappen wird.

Einige Tipps zum Legen von Mosaiken

Meinem bestellten Schulset lag natürlich eine Anleitung bei. Diese war aber sehr rudimentär und wie immer lernt man am meisten durch Ausprobieren. Laut Anleitung empfiehlt sich eine Vorzeichnung. Das ist ja immer gut, weil man schon mal aufs Papier bringt, was meist noch wüst durch den Kopf geistert. Ausgehend von diesem Papier, sollten die Steine auf die Sperrholzplatte geklebt werden. Zu kompliziert, zu abstrakt! 

Tipp 1: Fertige auf 1x1cm kariertem Papier (kann man im Internet ausdrucken!) in den Maßen wie die Sperrholzplatte (in unserem Fall 11x11cm) eine Vorzeichnung an. Diese  Vorzeichnung wird dann farbig gestaltet, dabei sollte beachtet werden, welche Farben beim Mosaik zur Verfügung stehen. Anschließend wird dieses Papier auf die Sperrholzplatte geklebt. Die Steine werden dann auf das Papier aufgeklebt, so dass man sich an dem Raster des Karopapiers und dann den gemalten Farben orientieren kann. Übrigens erleichtert das auch das Ablösen einzelner Steine, falls einer doch mal wieder ab muss, um z.B. nochmal die Farbe zu tauschen.

Tipp 2: Steine nicht in voller Größe aufkleben. Es wirkt sehr viel filigraner, wenn die Steine halbiert oder geviertelt oder sogar noch weiter geteilt werden. Es bietet sich auch an, mit verschiedenen Größen und Formen der Steine zu spielen und diese zu kombinieren. So kann zum Beispiel ein Schmuckrand aus halbierten Steinen gefertigt werden und der darin angrenzende Hintergrund aus geviertelten Steinen. Schaut man sich historische Mosaike an, so sieht man häufig, dass die Steine völlig unterschiedlich beschnitten sind, so dass Teilabschnitte im Sinne eines Musters nicht nur durch Farben, sondern auch durch unterschiedlich große Steine gestaltet werden.

Mosaik mit unterschiedlich geschnittenen Steinen.

Tipp 3: Beim Legen beginnt man am besten mit größeren Flächen. Bei diesen sind die Steine nicht in schwierige Formen zu bringen, so dass die Kinder sich erstmal an den Mosaikzangen und am Zerteilen der Steine probieren können. Anfangs ist die Hemmung oft da und auch die Befürchtung, an diesem handwerklichen Prozess zu scheitern. Recht schnell merken die Kinder aber, dass das Teilen der Steine wirklich leicht geht und trauen sich dann schnell mehr zu und probieren sich und das Material aus und trauen sich dann offensiver auch an kleinteilige und vermeintlich knifflige Flächen heran.

Tipp 4: Zum Kleben einen Klecks Kleber auf Zeitung machen und da die Steine eindippen, dann aufsetzen. Alternativ: Eine kleine (2 Eurostück) Fläche der Sperrholzplatte mit Kleber bestreichen und dann dieses Stück mit Steinen auffüllen, dann das nächste mit Kleber bestriechen. Auf keinen Fall sollte jeder Stein einzeln mit der Kleberflasche eingeleimt werden, weil dann zu viel Leim an den Stein kommt und es einfach noch viel länger dauert und schnell zu Frustrationen führt. Übrigens: Um besser arbeiten zu können, sollte kein schnelltrocknender Expresskleber verwendet werden.

Fantasievolle Mosaike zur griechischen Mythologie

Aufgrund der vorangegangenen Stunden, in denen ich Geschichten der griechischen Mythologie gelesen hatte, sollten die Kinder auch Motive der griechischen Mythologie darstellen. Bei ihrer Wahl waren sie jedoch frei, so dass jeder auch eigenes Hintergrundwissen und vor allem auch eigene Vorstellungen einbringen konnte. Durch die Art der Mosaikgestaltung war es auch jedem möglich zu einem guten Arbeitsergebnis zu kommen: Wer handwerklich geschickter ist, konnte die Steine entsprechend filigran bearbeiten. Wer sich das noch nicht zugetraut hat, hat eben mit größeren Steinchen gearbeitet und damit begonnen und sich dann nach einer Übungszeit auch an das kleinteiligere Arbeiten heranwagen können. An den fertigen Mosaiken sieht man die anfängliche Scheu und auch, dass sie gut überwunden wurde.

Das Mosaik legen ist damit eine ideale Technik, die bereits Grundschüler bewältigen können. Um einen Eindruck der Fähigkeiten verschiedener Schüler in unterschiedlichen Altersklassen zu bekommen, sind hier alle Beispiele mit Geschlecht und Alter angegeben.

Mosaik 24×24. Lehrerbeispiel.

Mosaik 1×11. Hyrule Wappen aus Zelda. Junge (6 Jahre).

Mosaik 24×24. Aphrodite-Skin im Spiel Minecraft. Mädchen (9 Jahre).

 

Das leidige Verfugen

Das Verfugen war tatsächlich ein kleines Drama. Nach dem Verfugen, mussten die Fugenmasse von den Mosaiksteinchen wieder abgewischt werden. Steine, die tiefer liegen, müssen dann mit etwas mehr Mühe gereinigt werden. Ist man zu ungeduldig und verwendet dann zu viel Wasser, schwemmt es die Fugenmasse wieder aus, so dass sich in den Fugen Fehlstellen bilden. War die Fugenmasse zu trocken angerührt, kann das ebenfalls passieren, da dann der Sand recht grobkörnig klumpt und als gesamter Klumpen beim Reinigen wieder herausgeputzt wird. 

Sieht das Ergebnis so aus, kann einfach neu verfugt werden. Die Fugenmasse ist eine Verbindung aus weißlichem Kleber und Sand. Da der Kleber ebenfalls die Fugen gut füllt, sollte die Masse eher dünner angerührt werden, da sie sich so auch besser in den Fugen verteilt. Auch beim zweiten Verfugen ist das ratsam, da so die entstandenen winzigen Lücken besser gefüllt werden.

Die Fugenmasse aus Sand und Kleber sorgt dafür, dass die Mosaiksteinchen nochmal besser fixiert werden und Fugen zwischen den Steinen geschlossen werden. Leider nimmt sie den Steinen aber auch ein Stück ihrer Leuchtkraft, weil der Kleber auch nach dem Reinigen der Mosaikplatten einen minimal weißlichen Schimmer hinterlässt. Das führte bei einigen zu Unwillen, ihr Bild zu verfugen. Muss man vielleicht auch nicht, die Wirkung ist dann dennoch eine völlig andere.

Unverfugtes Mosaik. Hephaistos, Gott des Feuers und der Schmiedekunst. Schülerarbeit (Junge 11 Jahre).

Um die Farben wieder zum Leuchten zu bringen, habe ich mit Klarlack experimentiert, hier als glänzende Variante. Auch das verändert die Farben in ihrer Wirkung und geht vom klassischen (Boden-)mosaik weg, hat aber dennoch eine ganz interessante eigene Wirkung, die eine alternative zum reinen Verfugen sein kann.

Verfugtes Mosaik mit Klarlack überzogen. Lehrerbeispiel.

Verfugtes Mosaik mit Klarlack überzogen. Mädchendarstellung. Junge (6 Jahre).

Rückblick auf die Unterrichtseinheit

Das Mosaik legen hat besser geklappt als erwartet, die meisten Kinder hatten viel Spaß dabei und waren sehr geduldig beim Steine knipsen und aufkleben. Am problematischsten war das Verfugen. Einerseits durch den vorgegebenen wöchentlichen 90 Minutenrhythmus und andererseits durch die Schwierigkeit des Verfugens an sich. Trocknungszeit ist beim Verfugen normal einige Stunden, wartet man diese Zeit ab, so kann man erst nach einer Woche das Mosaik reinigen. Der Kleber hat die Steine dann schon milchig eingefärbt und lässt sich nur schwer noch entfernen (mit dem Zahnstocher!). Bei einer zu kurzen Trocknungsphase von Stundenanfang zu Stundenmitte droht die Gefahr, die Fugenmasse auszuwaschen. Die Schüler sind beim Reinigen auch oft zu ungeduldig und halten das gesamte Mosaik unter das fließende Wasser. Ist dann noch nicht alles getrocknet, muss neu verfugt werden. Das ist ärgerlich, zeitraubend und sorgt – im Falle von gekauften Schülersets – für Materialnot, denn diese Sets sind passgenau auf x Schülerarbeiten zugeschnitten und ein wiederholtes Verfugen ist da nicht vorgesehen. 

Dennoch war diese Einheit sehr bereichernd und fängt auch die Kinder ein, die nicht gut zeichnen können und die in Kunst deshalb oft Probleme haben und mit der Motivation kämpfen. Ich wiederhole das im nächsten Schuljahr auf jeden Fall und freue mich schon drauf.