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  • Museum-der-Tiere (1)_klein

DIESES MUSEUM IST ANDERS…

Ferien. Immer noch. Es regnet. Perfekter Museumstag. Naturkundliches Museum geht immer. Aber bei dem Regen ins Auto setzen. Hm… Das Museum der Tiere: Eintritt frei! – fällt mir ein. Das hat mir kürzlich der Prestel Verlag übersandt. Das Buch hatte ich schon vor einiger Zeit von den Eltern meiner Kunstkinder wärmstens empfohlen bekommen. Mehr als bei einem reinen Tierbuch soll hier das Erlebnis eines Museumsbesuches nachempfunden werden. Museum ohne sich in ein Gebäude zu begeben, rein in 2D? Klingt nach Hokuspokus. Gerade nach der Lektüre von Ein Museum nur für mich bin ich skeptisch, hatte ich da doch festgestellt, dass ein Buch, wenn überhaupt, Lust auf den Besuch eines Museums machen kann. Oder im schlimmsten Fall sogar die Lust daran raubt. Den Empfehlungen zufolge müsste meine Erwartungen an das Buch hochliegen, aus eigener Erfahrung bin ich sehr vorsichtig.

 

Das Buch mit seinem riesigen Format, fast A3, erfordert einiges an Platz. Die Haptik des Buches spricht mich direkt an. Es wirkt hochwertig. Der feste Einband, das straffe, griffige Papier. Ich blättere und bin erstaunt. Eine sehr ansprechende Gestaltung. Große, gut lesbare Überschriften mit kurzen Sachtexten, die auch von Erstlesern gut bewältig werden können. Das Buch ist illustriert mit Zeichnungen, ganz im Stil Ernst Haeckels. Das gibt dem Ausflug etwas nostalgisches, aber auf eine angenehme Art und Weise. Nach dem ersten Durchblättern habe ich direkt Lust mich intensiv mit dem Buch zu beschäftigen, es von vorn bis hinten durchzuarbeiten, es scheint so viel Details zum Entdecken zu geben in einer doch recht fremden (Tier-)Welt.

Der Eingang zum Museum

Das Buch begrüßt den Leser am Eingang des Museums mit den Worten „Dieses Museum ist anders als alle, die du zuvor besucht hast.“ Das ist definitiv so – denke ich. Ein Museum in Buchform, das tatsächlich den Titel Museum für sich beansprucht. Doc ganz so skeptisch bin ich seit dem ersten Durchblättern nicht mehr. „Jedes Ausstellungsstück wird in makellosem Zustand und mit großer Detailfreude präsentiert.“ Das ist wohl exakt das, was mich beim Durchblättern so angesprochen hat.

Im Eingangsbereich befindet sich der Stammbaum des Lebens, der einerseits der Familienbaum aller Arten ist und zeigt wie diese einzelnen vor Jahrmillionen auseinander hervorgegangen sind. Andererseits ist dieser zugleich die Gliederung des Buches, denn von unten mit den Wirbellosen beginnend, betritt der Leser einen Saal des Museums nach dem anderen und lernt somit die verschiedenen Bereiche dieses Lebensbaumes näher kennen.

 

Der Saal der Wirbellosen

Keine Gemeinsamkeit aber ein gemeinsames Manko: die fehlende Wirbelsäule vereint diese Gattung. Als Lebensraum werden die Küstengewässer vorgestellt. In diesem Saal befinden sich Schwämme, Kopffüßler, Nesseltiere und Fluginsekten. Alles Tiere die zum Teil nur entfernt miteinander verwandt sind und deshalb an unterschiedlichen Ästen des Lebensbaumes zu finden sind. Zu jeder der einzelnen Unterarten gibt es Informationen über Entstehungszeit, Lebensraum und Lebensweise. Diese sind kurz gehalten, immer etwa eine halbe A4 Seite, so dass es spannend bleibt diese zu lesen. Die ansprechende Schriftart, die viel Raum zwischen den Zeichen lässt trägt dazu bei. Eindeutig wurde sich hier überlegt auf das Notwendige konzentriert ohne ermüdende, langwierige Informationen, die ohnehin nicht im Kopf bleiben. Unter dem Infotext befindet sich jeweils die Bildlegende für die oftmals über eine komplette Seite gedruckten Zeichnungen der Lebewesen. Neben deutschen und lateinischen Namen sind dort auch die Größen verzeichnet, was sehr spannend ist, da auf den Illustrationen unterschiedliche Maßstäbe verwendet wurden, so dass beispielsweise alle Schwämme gleichgroß erscheinen auch wenn sie in der Realität 30cm und 2m groß sind. Zum Vergleichen der unterschiedlichen Ausformungen einer Gattung ist das aber durchaus sinnvoll, denn so kann sich auf Farbe und Form konzentriert werden und der Größenvergleich bleibt zunächst außen vor.

Spätestens bei der Doppelseite der Fluginsekten fühle ich mich an Schaukästen in Naturkundemuseen erinnert. Auch da lassen sich unterschiedliche Insekten, die doch einer Art angehören, wunderbar vergleichen. Im Museumsbuch ist dieses Vergleichen einfacher, denn es gibt nur einen Kasten. Die Wucht, mit der man im Naturkundemuseum oder in Naturalienkabinetten förmlich erschlagen wird, fällt hier weg. Sie ist angenehm reduziert. So wie beim Text – nicht überfordern, aber Interesse fordern. Das gefällt mir. Als mein Blick aber bei dem Blauen Pfau (Schmetterling) hängen bleibt, wird mir bewusst was mir gerade deutlich fehlt: die Farbe. Damit meine ich die unnachahmliche natürliche Farbe der schillernden Schmetterlingsflügel. Ist es im Naturkundemuseum nicht so, dass es zwei, drei Insekten in diesen Kästen gibt, die einem sofort ins Auge stechen. Die so schön sind, dass man immer nur wieder auf diese schaut? Genau in dem Moment kommt mir aber der Gedanken an die Nadeln, mit denen sie angepinnt sind. Was mich jedes Mal traurig macht. Ich bin froh, im Buch ungestört schauen zu können, ganz ohne stechende Nadeln.

Kurz vor Verlassen des Saales geht es um den Lebensraum der Wirbellosen. Die Zeichnung dazu fasst die Lebewesen zusammen und ein erstes ökologisches Zusammenspiel wird deutlich.

 

Vom farbenfrohen Korallenriff zum Wassermonster an Land

Der zweite Saal befasst sich mit dem Lebensraum des Korallenriffes und zeigt verschiedene Fische und Haie. Spannend ist vor allem der Vergleich der Haizähne, die bei unterschiedlichen Tieren dieser Art zwischen recht klein und gigantisch variieren. Rochen und Strahlenflosser gehören ebenfalls in diesen Saal. Die kurzen Infotexte geben jeweils Begriffserläuterungen, so dass es jedem Besucher dieses Museums nach der Lektüre klar ist, wie zum Beispiel ein Strahlenflosser zu erkennen ist.

Weiter geht es in Saal 3, der Amphibien, Frösche und Schwanzlurche zeigt. Eines der für mich faszinierendsten Tiere ist das Axolotl, umso mehr freue ich mich, dass dieses mexikanische Wassermonster dabei ist. Dieser Saal zeigt auch die verschiedenen Entwicklungsstadien eines Frosches. Von den weichen Eiern über Kaulquappe bei der sich langsam Beine bilden und der fast fertige Frosch, die noch einen Schwanz hat. Immer wieder faszinierend und eine ideale Vergleichsvorlage für das Frühjahr, wenn man genau diese Metamorphose in einem Teich beobachten kann. Die Details sind so perfekt gezeichnet, dass man die Kiemen erkennen kann, die bei dem fertigen Frosch völlig verschwunden sind.

Über Reptilien zu Vögeln geht der Rundgang durch das zweidimensionale Museum zu den Säugetieren in Saal 6 über. Die gesamte Konzeption des Museums folgt weitgehend der Evolution, die dadurch gut verständlich wird und am Lebensbaum im Eingangsbereich des Museums auch visuell nachvollzogen werden kann.

 

Wegweiser Bibliothek

Ich war gespannt auf die Bibliothek des Museums. Diese beginnt verheißungsvoll mit einer Eule und dann folgen Stichwortregister und die Namen der Illustratorin und Autorin. Schade. Aber auch nicht so schlimm. Für mich steht fest welche Bücher ich nun dringend brauche: Mehr zu Ernst Haeckel. Definitiv! Vorallem der Titel Kunstformen der Natur – Kunstformen aus dem Meer interessiert mich. Er führt die zwei bahnbrechenden Werke Ernst Haeckels Atlas der Radiolaren und Kunstformen der Natur zusammen. Lithografierte Farbtafeln, die minutiös gezeichnete Naturwesen darstellen sind kommentiert von Olaf Breidbach und Irenäus Eibl-Eibesfeldt, die seit Jahren zu Ernst Haeckel forschen und wahre Kenner sind.

Mein Fazit: Dieses Buch ist so schön illustriert, dass es einen schon beim Durchblättern gefangen nimmt. Das Buch ist ab 8 Jahren angegeben, ich kann es durchaus schon früher empfehlen, wenn es mit einem Erwachsenen angeschaut wird. Doch ganz ehrlich, das ist definitiv kein Buch nur für Kinder. Die Zeichnungen sind eine Kunstform für sich. Sie haben mir Lust gemacht auf die Auseinandersetzung mit Ernst Haeckel und das in einer ernsthaften Weise. Das Buch ist anspruchsvoll aber nicht überfordernd. Es schafft die grandiose Gradwanderung ein Buch für Kinder zu sein, das gleichzeitig ein empfehlenswerter Band für Erwachsene ist.

Was den Museumsbesuch in Form des Buches angeht. Ehrlich, ich war skeptisch. Doch tatsächlich finde ich das eine gelungene Umsetzung. Es ersetzt nicht den Besuch in einem Naturkundemuseum, darauf würde ich nicht verzichten wollen. Aber wohldosiert macht es genau darauf Lust. Mich erinnert es an Besuche im Naturalienkabinett Waldenburg. Die unüberblickbaren Schaukästen voll von Schätzen. Jüngst hat das Museum seine Ausstellung völlig überarbeitet und präsentiert sich nun auf eine zeitgemäße Art. Das Buch macht Lust in Echt zu entdecken, was hier so meisterhaft gezeichnet ist.

 

Weiterführende Ideen der Kunstvermittlung

museum-der-tiere IIDas Buch eignet sich super, um sich Kunstwerken des endenden 19. Jahrhunderts zu nähern. In dieser Zeit war die Darstellung von exotischen Tieren, die in Form von Wanderzirken in die Städte kamen, verbreitet. Tier-Stillleben oder dynamischere Darstellungen wie beispielsweise Die eifersüchtige Löwin von Paul Meyerheim sind ideale Pendents zu den Zeichnungen des Buches.

Etwas historisch ausholen ließe sich mit mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Darstellungen der im Buch besprochenen Tiere, die oftmals auf zeitgenössischen Reiseberichten basieren und aus unserer heutigen Sehgewohnheit eher als Fabelwesen anmuten.

Für einen ganzheitlichen Ansatz, der mehrere Sinne anspricht und in diesem Fall insbesondere für die kleinere Altersgruppe ab 4 bis etwa 8 Jahre gedacht ist, benötigt man eine große Auswahl an Schleichtieren. Mit einer Kindergruppe könnte man die Kinder entsprechend den Sälen des Buches aufteilen, bei weniger Kindern wählt man einfach den Lieblingssaal oder den Lebensbaum.

Museum-der-Tiere (4)_kleinDie Aufgabe besteht darin den Aufbau einer Lebenswelt (Korallenriff, Wald, Wüste, Regenwald, Arktis oä.) nachzuempfinden. Zunächst gilt es auszuwählen, welche Tiere zu dieser Lebenswelt gehören. Da im „Museum“ (sprich: im Buch der Tiere) nur Beispiele für die jeweiligen Bewohner gegeben werden, erfordert das einiges an Teamwork oder an Gespräch mit den Eltern | Kursleitern, um die vorhandenen Tiere zuzuordnen beziehungsweise Entsprechungen zu denen aus dem Buch zu finden.

Malen und Basteln kann zusätzlich eine Lebenswelt entstehen lassen, in der sich die Tiere aufbauen lassen. Durch das Ertasten der Schleichtiere wird das Fühlen dem vergleichenden Sehen zugestellt, so dass sich beide Sinne wunderbar ergänzen und zu einem nachhaltigeren „Museumsbesuch“ führen. In einem größeren Kurs könnten noch Geräusche als Kulisse hinzugefügt werden.

Meine neue Literatur-Bestellliste

Dieses Museum der Tiere ist tatsächlich eines der ansprechendsten dieser Art, die ich seit Langem in der Hand hatte. Es hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir nun weitere Bücher von Erich Haeckel bestellt habe.

Als Ergänzung für meine Kunstkinder habe ich für die Kurse ebenfalls ein Haeckel Buch bestellt:Wunderwesen aus der Tiefe. Ein Pop Up Buch, das diesem Thema nochmals eine ganz andere, dynamische Komponente verleiht. Kinder lieben Pop Ups. Diese regnen zum genauen Sehen an, weil mit der 2D Sehgewohnheit gebrochen wird. Mittels eines kleinen Klapptricks entsteht aus 2D ein vermeintliches 3D Szenario.  Wunderwesen aus der Tiefe dürften ebenso faszinierend sein, da sie uns unbekannt sind und das Unbekannte zieht bekanntlich in seinen Bann.

Vor allem bin ich nach diesem tollen Buch nun neugierig auf das Das Museum der Weltkulturen, das ebenfalls in dieser Reihe erschienen ist. Dieses Buch reizt mich aufgrund des Themas sehr. Ich bin gespannt auf die Umsetzung; insbesondere wie Zeichnungen in diesem Zusammenhang wirken und funktionieren. Nach der Lektüre des Museums der Tiere ist die Erwartungshaltung entsprechend groß.
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By | 01 / 08 / 2017|Materialtipp|0 Kommentare

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