Angeregt von der Begeisterungsfähigkeit der Kinder eine eigene Ausstellung zu konzipieren – im Rahmen meines Picasso Workshops – hatte ich mich sehr über das Buch Ein Museum nur für mich, das mir vom Prestel Verlag zur Verfügung gestellt wurde, gefreut.

Bilderbuch: Wann fängt es an?

Das Buch ist ein Bilderbuch. Jede Seite ist im Stil eines in Collage-Technik gebastelten Sketchbooks gestaltet. Allerdings verliert die Technik ohne ihre Haptik an Reiz. Das heißt, da wo eine Collage ist, sollte diese auch fühlbar sein. In einem gedruckten Buch wirkt die Technik etwas absurd, sogar wild. Der Mix der Perspektive – von oben, von vorn, seitlich – wirkt auf die Kinder verwirrend. Das fand ich lustig, denn gerade der Stil versucht auf die Sicht- und Darstellungsweise von Kindern einzugehen. Funktioniert offenbar nicht, vielleicht weil es von Erwachsenen gemachtes Buch im Kinderstil nicht authentisch ist?

Die Bilder selbst sind teilweise witzig zusammengestellt und ich dachte an einigen Stellen, dass dies wunderbare Anregungen zum Basteln sind. Eine Menschenmenge vor dem Museum besteht aus lauter Köpfen. Um darzustellen, dass diese fotografieren, wurden einfach einige Fotoapparate in der Menge verteilt und auf die Köpfe geklebt. Lustig sind die dargestellten Personen, alles Erwachsene, die sich Exponate im Museum betrachten. Amüsant sind ihre Bekleidung, ihre Handtaschen und auch ihr Gesichtsausdruck. Allerdings ist das meine Erwachsenenwahrnehmung, auf die Kinder wirkte das eher verwirrend und führte zu unschlüssigen warum-Fragen.

Innerhalb des Bilderbuches werden verschiedene Museumstypen vorgestellt, so das Archäologische Museum, ein Naturalienkabinett, ein Museum für moderne Kunst, ein Museum für Raumfahrt- und Luftfahrtechnik und ein Botanischer Garten. Die Idee zu zeigen wie vielfältig Museen sind, ist an sich gut. Allerdings endet das Buch damit, damit dass auf das eigene Zimmer verwiesen wird, in dem man sich mit Lieblingsdingen umgibt und man so folglich Herr des eigenen Museums ist. Das überrascht, ist doch so die Aussage, dass es keiner Museen bedarf, das eigene Zimmer tut es auch.  Dieses Ende fand ich absurd bis verstörend.

Beim ersten Lesen stellt sich eine wartende Haltung ein. Bilderbuch – schön und gut, es gibt einiges zu sehen, wenn es auch nicht gerade ein Wimmelbuch ist, aber wo und wann startet die Handlung? Was ist die Rahmenidee? Das Buch hat insgesamt fragende Gesichter hinterlassen und war nach dem „Ende“-Schild im Buch schnell weggelegt.

Mitmachseiten mussten sein

Dabei ist das Ende nicht das Ende des Buches. Im Anhang finden sich 6 Mitmachseiten, die Impulsfragen stellen. Ich bezweifle, dass auch nur ein Kind von sich aus diese Fragen beantworten wird. Immerhin sind mehrere Linien zum Ausfüllen dafür vorbereitet. Insbesondere die ersten 4 Fragen sind maximal solche, die man (am ehesten wohl als Erzieher) Kleinkindern nach der Lektüre eines Bilderbuches stellt, um die Sprachkompetenz zu fördern:

Was würdest du gerne sammeln?

Was ist in deinem Museum ausgestellt?

Welche Museen kennst du noch?

Kannst du dir ein paar neue ausdenken?

Direkt auf den Inhalt des Buches nehmen die folgenden zwei Fragen Bezug:

Was glaubst du, wem die alten Spielzeugtiere einmal gehört haben? Kannst du noch mehr davon zeichnen?

Es geht dabei um Tiere aus dem archäologischen Museum. Schon die 6-jährigen Kinder haben an diesem Punkt eingeworfen, dass es sich vermutlich nicht um Spielzeugtiere handelt. Im Buch selbst steht, dass diese genauso aussehen wie die in der Spielzeugkiste des kindlichen Protagonisten. Bereits an diesem Punkt rümpften die Kinder hier die Nase. Kinder, die schon einmal ein archäologisches Museum von innen gesehen haben, wissen vermutlich, dass diese Tiere mehr Nachahmungen des realen Lebens waren oder kultischen Charakter hatten. Sicher sollte hier versucht werden Kinder spielerisch für archäologische Themen zu sensibilisieren. Wie es besser geht zeigte vorbildhaft das Archäologische Museum Frankfurt ua. mit der Legozeitreise.

Abschließend wird gefragt Welches ist dein Lieblingsbild aus dem Kunstmuseum?

Die Frage ist leider recht unspezifisch. Allerdings lässt sie zumindest die Option offen mal einen Sammlungskatalog eines Kunstmuseums in die Hand zu nehmen und zu blättern. Auch lässt sich damit die generelle Frage – welche Art von Kunst gefällt mir? thematisieren.

Fazit.

Die Handlung des Bilderbuches ist sehr einfach, ebenso der Mitmachteil. Das sehr wertig gemachte Buch, auf hochwertigem Papier, ist in seiner englischen Originalfassung im Auftrag der Tate Trustees erschienen. Der Originaltitel ist Museum of Me, das wohl die Aussage des Buches besser trifft und somit meine Erwartungshaltung nicht irregelenkt hätte. Das deutsche Buch hat einen fesselnden Titel, der sofort Lust auf den Entwurf des idealen Museums für mich macht. Immerhin liefert das den Impuls über das Museum von Morgen einmal nachzudenken oder über die Frage, was ein Museum leisten muss, um mich als Kunden zu gewinnen.

Emma Lewis: Ein Museum nur für mich. Prestel 2017. ISBN: 978-3791372983

 

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