Griechische Mythologie erzählerisch erfahren

Griechenland ist bei mir Thema im Kunstunterricht der 6. Jahrgangsstufe. Griechenland scheint zunächst fern unserer (Kultur-)welt, doch tatsächlich ist es die Basis unserer europäischen Kunstgegenwart und die früherer Epochen.

Aktuelle Avengers-Filme und -Comics spielen mit Figuren der griechischen (und nordischen) Mythologie. Die im antiken Griechenland verehrten Göttert werden dort als Außerirdische mit geheimnisvollen Fähigkeiten dargestellt, dennoch bedienen sie sich Fakten der griechischen Mythologie, die in Homers Odyssee und Ilias oder Ovids Metamorphosen geschildert werden.

Für Kinder sind diese klassischen Werke eher ungeeignet: die Sprache ist zu schwierig, die Texte zu lang. Ich, Zeus, und die Bande vom Olymp ist ein Buch, dass die griechische Mythologie kindgerecht formuliert. Jeweils aus der Sicht des jeweiligen Gottes, werden einzelne Geschichte erzählt. Diese sind subjektiv aus der Sicht des Gottes gefärbt und entsprechend in ein gutes Licht gerückt. Die Texte sind leicht verständlich, unterhaltsam und perfekt zum Vorlesen geeignet. Ich nutze sie gern im Unterricht zum Vorlesen und bin oft wenig überrascht, dass einige Kinder diese Bücher kennen und schon selbst gelesen haben. Zu jedem Gott gibt es eine kleine Illustration, die die Kinder häufig sehr fesselt.

Gerade diese Faszination am Comic hat mich zum Buch Die illustrierte Welt der griechischen Mythologie von Jul und Charles Pépin aus dem Anaconda Verlag gebracht. Mit 32 Porträts zu verschiedenen Göttern bietet es einen sehr umfassenden Einblick in die griechische Götterwelt. Zu jedem Gott gibt es einen ein- oder doppelseitigen Comic, der einen wesentlichen Teil der Wirkgeschichte der jeweiligen Gottheit zeigt. Diese Comics sind teilweise in unsere heutige Zeit übersetzt, so hat Theseus´ Handy im Labyrinth des Minotaurus kein Netz, so dass er aus diesem nicht aus eigener Kraft herausfindet. Die Comics werden verständlich durch den kurzen erklärenden Text, der sich an Homers Vorgaben hält, aber stark zusammenfassend gestaltet ist.

Das Buch richtet sich an Leser, die bereits einige Vorerfahrung im Bereich der griechischen Mythologie haben und den Witz, der in den Comics gerade durch den sehr freien Umgang mit den historischen Fakten aus Homers Texten zu finden ist, verstehen. Wer das nicht hat, wird mit diesem Buch dennoch viel Freude haben, denn die Comics und kurzen Texte sind ein guter Einstieg, um dann nochmal zu einzelnen Göttern – ganz nach Interesse – mehr zu lesen. Die Comics eignen sich auch toll als Stundenimpuls in der Schule, um einzelne Geschichte auf Basis des Comics noch einmal nacherzählen zu lassen. Gerade für den Kunstunterricht lassen sich die wertvollen Bildimpulse sehr gut verwerten und führen auch bei Kindern, die Probleme haben, eigene Vorstellungen für ihre Werke zu entwickeln, zur fruchtbaren Vorstellungsbildung, so dass davon die eigenen künstlerischen Arbeiten profitieren.

Nach diesem Einstieg in die griechische Mythologie gibt es natürlich auch eine kunstpraktische Empfehlung zur Weiterarbeit in diesem Thema: Mosaike sind hier sehr naheliegend. Wie man das praktisch umsetzen kann, zeige ich im Blogbeitrag Fantasievolle griechische Mosaike.