„Wie findest du passende Kunstthemen für Kinder?“, wurde ich kürzlich gefragt. Die Frage zielte darauf, welche Kunst ich für Kinder geeignet halte. Jede. Das ist meine knappe aber umfassende Antwort. Alles ist eine Frage der Herangehensweise, der Vermittlungsarbeit also.

Ich zeige euch hier in dieser kurzen Miniserie, immer pünktlich kurz vor dem Wochenende, jeweils eine Methode, um zu jedem Kunstwerk einen einfachen Zugang zu finden. Diese Tipps lassen sich Zuhause von jedem Umsetzen, es müssen dafür nicht die großen Kunstwerke im Museum sein: Kunstpostkarten, Bilder aus Zeitschriften oder dem Bilderbuch, Fotos aus Reisebüchern oder ähnliches eignen sind toll, um aktives Sehen zu testen.

Methode 1: Die Pixi-Kiste

Pixis haben sich im Laufe der Kleinkinderjahre von drei Kindern einige angesammelt. Der große Vorteil der kleinen Bücher ist, neben dem günstigen Preis, ihr handliches Format für unterwegs. Ein großer Nachteil ist ihr handliches Format für Zuhause, denn im Bücherschrank gehen sie völlig unter. Wir haben deshalb eine Pixikiste, die schnell ausgekippt ist. Pixis sind sicher in vielen Haushalten mit Kindern vorhanden, deshalb ist diese Methode relativ leicht umzusetzen.

Anfangs hatte ich Pixis nach Zufallsprinzip gekauft, später nach meinen Vorstellungen und noch später nach den Interessen der Kinder. Bei diesen zielgerichteten Suchen habe ich Pixis für meine Arbeit in der Kunstvermittlung entdeckt. Ich nutze sie mittlerweile gern, um auf bestimmte Themen kindgerecht einzuführen. Dafür schaue ich alle (aus der Kiste kreuz und quer ausgekippten) Pixis durch und überlege, welche Motive oder Themen darin behandelt werden. Das können Farben, Tiere, Naturerscheinungen, Historisches oder Technik sein.

Wie kommen Pixis in der Kunstvermittlung zum Einsatz

Beim Kauf neuer Titel wähle ich bevorzugt die, die mich spontan an Kunstwerke, Museen oder Künstler erinnern. Meist habe ich inzwischen konkrete Vorstellungen was ich nutzen kann und was nicht. Kürzlich habe ich das  Maxi-Pixi Leonardos großer Traum(Werbelink) entdeckt. Es geht darin um einen kleinen Pinguin, der so gar keine Lust hat zu Schwimmen und deshalb vom Fliegen träumt. Die Pixi Geschichte hatte ich gerade gesehen als ich in Italien im Luftfahrtmuseum San Pelagio (bei Padua) war und in diesem Flugapparate Davincis, Lilienthals und anderer Flugpioniere gesehen hatte.  Es kam mir die Idee mit dem Pixi über den Pinguin Leonardo auf Davinci einzuleiten und die im Buch verwendeten Flugapparate mit den Ideen Davincis zu vergleichen.

Das Buch Leonardos großer Traum(Werbelink) ist eigentlich sehr viel länger und ausführlicher als es im Pixi dargestellt ist, es handelt sich um eine stark gekürzte Fassung des eigentlichen Romans von Hans de Beer. Zum Vorlesen Zuhause mag ich diese gekürzten Versionen nicht, vielleicht auch, weil der Großteil meiner Kinder bereits sehr langen Geschichten wie der Unendlichen Geschichte problemlos lauscht und mittlerweile das gelesene (oder geschriebene) Wort das Bild dominieren darf. Aber für die Kunstvermittlung sind diese kurzen Ausflüge in eine Fantasiewelt ideal. Vor dem großen Thema Leonardo und seine Erfindungen für die Luftfahrt ist ein Pixi ein toller gedanklicher Ausflug, der bereits das anreist, was im Kurs vertieft wird. Oder auch einen netten Abschluss bildet. Ich mag es Kurse mit einem Musikstück oder einer Geschichte ausklingen zu lassen.

Nachdem ich das bereits erfolgreich eingesetzt hatte, habe ich nach weiteren Pixis gesucht, die sich so nutzen lassen. In der Kunstgeschichte sind biblische Themen eines der häufigsten Motive. Diese Geschichten kindgerecht zu erzählen ist oft nicht leicht. Ich benutze dafür gern die Die Kinderbibel – Sonderausgabe (Werbelink). Toll an dieser Ausgabe ist ihr großer Anteil an Geschichten des Alten Testaments, die in der Kunst ikonografisch hauptsächlich relevant sind. Aber die Geschichten dieser Aufgabe sind oft zu komplex, um sie in einen 60-minütigen Workshop zu integrieren. Dann habe ich das Pixi-Bundle 8er-Serie 243: Geschichten aus der Bibel(Werbelink) entdeckt. Für mich interessant waren vor allem „Die Entstehung der Welt“, „Arche Noah“, „Daniel in der Löwengrube“, „David und Goliath“ und „Moses im Körbchen“. Diese Geschichten entstammen dem Alten Testament und sind damit mehr motivgebend als die Jesusgeschichten im Bundle „Jesus heilt einen Gelähmten“ und „Jesus auf dem Wasser“. „Jona und der große Fisch“ hatte mich schon beim Bestellen der Pixi irritiert, ich war nicht sicher, ob es die Geschichte Jona und der Wal ist, die es tatsächlich sein soll. Im Vergleich zu einer Kinderbibel mit 5-Minuten Geschichten(Werbelink) hatte mich bei den Pixis vor allem überzeugt, dass ich immer nur ein kleines Büchlein mitnehmen muss, nicht die ganze dicke Kinderbibel. Da sich die enthaltenen Geschichte mit dieser Kinderbibel im Kurzformat fast deckten, hatte ich mir von dem Pixi Bundle viel erhofft: einfache, kurze und kindgerecht geschriebene Geschichten zu diesen Bibelmotiven; wie eine kürzere Kinderbibelvariante. Leider war das recht enttäuschend. Es geht in diesen acht Pixis leider vorrangig um Glaubenslehre. Die vielen Bilder im Pixi sind aber so inhaltsreich, dass sich die biblischen Geschichten gut anhand dieser Bilder erzählen lassen, was die Kinder selbst tun oder sich in Kleingruppen erarbeiten.

Irgendwann hatte ich durch Zufall das original Pixi Die Schildkröte Mirakula(Werbelink) von Eric Carle gekauft. Mir war dank der charakteristischen Illustration aufgefallen, dass es wie Die kleine Raupe Nimmersatt (Werbelink)gestaltet ist. Nachdem dieses Pixi ebenso super ankam wie der Evergreen der kleinen Raupe Nimmersatt, habe ich nach weiteren Pixis dieser Serie geschaut und festgestellt, dass es vier Bilderbuchgeschichten von Eric Carle als Maxi Pixis(Werbelink) gibt. Dieses Format spricht mich persönlich mehr an. Gerade, da es mir auch um die Buchillustration geht, finde ich schöner Bilder in etwas größer zu sehen. Die Maxi Pixis vereinen einen super Preis mit einem guten Format, so dass hier auch Wo mag nur meine Katze sein?, Die Riesenschlange Sansibar, Das Lämmlein und der Schmetterling(Werbelinks) und nochmal Die Schildkröte Mirakula (Werbelink) im Maxiformat angeschafft wurden. Die Idee dabei war meinen Kindern Kinderbuchklassiker und bekannte Autoren näher zu bringen.

Für die Kunstvermittlung nutze ich diese Bücher inzwischen sogar noch anders: Geht es um Kunstwerke mit Tieren so setze ich unter anderem Pixis in der Vermittlungsarbeit ein. Bevor die Kinder das Kunstwerk sehen, dürften sie sich ein Pixi aussuchen. Sie treffen ihre Wahl, weil sie sich für eine Geschichte interessieren oder ein spezielles Tier toll finden. Die Tiergeschichten von Eric Carle eignen sich super für kleinere Kinder, da sie wenig Text enthalten und die Geschichten einfach und fantasiereich sind. Die Kinder lesen die Geschichte und stellen anschließend vor, welches Tier die Hauptfigur ist und worum es in der Geschichte geht. Ausgehend davon suchen sie im Kunstwerk „ihr“ Tier und schauen in welche Geschichte dieses Tier dort verwickelt ist. Sie sind aufgefordert entweder ihre Pixi-Geschichte weiterzuerzählen, indem die Geschehnisse aus dem Kunstwerk aufgegriffen werden oder eine neue Geschichte um Ihr Tier zu entwickeln wie es im Bild zu sehen ist.

Der Vorteil der Einleitung über eine Pixi Geschichte ist, dass jedes Kind bereits ein Tier hat, mit dem es sich dank des Pixi orientiert. Das Kind hat etwas in der Hand und kann sich daran festhalten – sprichwörtlich und tatsächlich, um sich im Kunstwerk zurechtzufinden. Das Kind muss keine Angst haben aus dem Nichts eine neue Geschichte zu erfinden, sondern kann auf einige Grundideen aus dem Pixi zurückgreifen.

Für etwas ältere Kinder wandle ich diesen Zugang ab. Ich suche vor ab Schleichtiere aus, die im Kunstwerk vorkommen und stelle diese zur Auswahl bereit. Die Kinder dürfen sich jeder für ein Tier entscheiden. Die Pixi Wissen Bände Tierrekorde, Was Tiere könnenoder Tiere der Welt(Werbelinks) enthalten die meisten dieser Tiere und sind so handlich, dass ich sie zu meinen Kursen mitnehmen kann. Als Hosentaschen-Lexikon stelle ich diese Pixis zur Verfügung, um etwas über das gewählte Tier zu erfahren. Die Kinder stellen die gelesenen Informationen in großer Runde dann vor und zeigen ihr Bild im Kunstwerk und beschreiben wie es dort dargestellt ist.

Und wenn es keine Tiere im Bild gibt?

Nicht in jedem Kunstwerk gibt es Tiere, klar. Was immer da ist, sind die Farben. Deshalb verrate ich im nächsten Teil eine Methode, die (außer bei Grafiken und monochromen Werken) immer funktioniert und fast gar kein Material benötigt bzw solches, das garantiert jeder zur Hand hat (auch kinderlose Haushalte bei Tante, Onkel, spontanem Babysitter usw.).

 

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