Projektbeschreibung

„Wer interessieren will, muss provozieren“,

das wusste schon Dali. Von Manaf Halbounis Monument Dresden fühlten sich verschiedene Lager provoziert, entsprechend war die Kommunikation zum Kunstwerk rege und von starkem Austausch geprägt. Dieser war vor allem eines – emotional. Die Kritiken waren nicht einfach in Pro und Contra zu unterscheiden. So einfach ist es offenbar nicht, wenn es um das Erinnern der eigenen Geschichte geht und vor allem um den Mythos Dresden. Dresden in seiner jetzigen Stadtansicht mit der wiederaufgebauten Frauenkirche und dem historisierenden Neumarkt darf nicht angetastet werden. Es scheint eine wulstig vernarbte Wunde zu sein, die immer noch leicht verletzlich ist oder gar jederzeit aufzureißen droht. Eben diese Gefahr des Aufbruchs einer Wunde bedeutete Halbounis Monument, zumindest wenn man den Kritikern Glauben schenkt.

Die Stadt Dresden hat hart für die Akzeptanz ihrer Rekonstruktion gekämpft. Doch welche Auswirkungen hat das auf die Identität der Dresdner? Hat sich das Geschichtsverständnis gewandelt, weil eine Kriegswunde mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche geschlossen wurde? Was hat zu einer Veränderung des Geschichtsverständnisses geführt? Von welchem Geschichtsbild sprechen wir? In diesem Buch sollen die Zusammenhänge von Identitätskonstruktion, Geschichtsbild und Erinnerungskultur anhand der Stadt Dresden und der wiederaufgebauten Frauenkirche aufgezeigt werden. Anhand der Mechanismen des Erinnerungskonstrukts Dresden wird einerseits die Abwehr Manaf Halbounis Monument aus der ureigenen Dresdner Stadtgeschichte heraus erklärbar und andererseits deutlich, welche Bedeutung kollektive Traumen für unsere gegenwärtige Erinnerungskultur – nicht nur in Dresden – spielen.

Mehr zu diesen Zusammenhängen und dem Kernthema Erinnerungskultur gibt es in meiner neuen Publikation, die gerade als Taschenbuch unter folgendem Titel Dresden: Erinnerungskultur und Geschichtsbild der Barockperle: Dresdner Mythos vs. Manaf Halbouni Monument erschienen ist.