Projektbeschreibung

Rekonstruktionen boomen

Vortrag „Rekonstruktionsboom in Deutschland“. Förderkreis zur Erhaltung Eisenachs. Tag der Denkmalpflege. Reuter-Wagner-Museum, Eisenach 7. September 2013. (Unveröffentlichtes Manuskript)

In der Novemberausgabe 2012 vermeldet das Deutsche Architektenblatt, dass „84 Prozent der Bundesbürger […] bei Innenstadt-Sanierungen die Restaurierung der alten Gemäuer den Neubauten [vorziehen].“ Interessant, wenn auch nicht verblüffend oder neu, ist die Antwort der Umfrage-Teilnehmer auf die Frage, welche deutsche Großstadt sich wohl am meisten für den Denkmalschutz einsetze. Dresden.

Dieser aktuelle Meinungsspiegel zeigt deutlich, dass die Erhaltung historischer Gemäuer boomt – und zwar in der Realisierung wie auch in der Debatte; und damit im gesellschaftlichen Bewusstsein. Der andere Aspekt, der aus diesem Kurzartikel im Kopf hängen bleibt ist, dass Dresden im Bewusstsein der Gesellschaft die deutsche Großstadt ist, die mit den Begriffen Denkmalpflege und Restaurierung am häufigsten assoziiert wird. Genau da liegt der Haken: Forscht man nach, dann wird sofort die Frauenkirche als Paradebeispiel genannt. Doch handelt es sich hierbei nicht um eine Restaurierung, sondern um eine Rekonstruktion. Im gesellschaftlichen Bewusstsein werden die Begriffe vermischt, synonym verwendet und können schwer definitorisch abgegrenzt werden.

Konkret bedeutet das aber auch, dass nicht nur von einem Boom und einer verstärkten Befürwortung der Restaurationen, sondern insbesondere auch der Rekonstruktionen ausgegangen werden kann. An verschiedenen Großprojekten, die deutschlandweit gestreut sind, lässt sich dieses Phänomen beobachten.

Der Vortrag geht diesem Phänomen anhand konkreter Beispielsituationen nach. Es wirft zudem die Frage auf, ob ein Mangel an alternativen Bebauungsvorschlägen die (Mit-)Ursache von Rekonstruktionen ist. Welche Rolle Medien für Entscheidungen zu Rekonstruktionen spielen, ist ebenfalls ein Schwerpunkt des Vortrags. Letztlich mündet der Impuls in einem Ausblick:

Wenn der Nachholbedarf an mittelalterlicher Geschichte bald gedeckt ist und die meisten Städte touristische Attraktionen dieser Zeit zu bieten haben, wird dann begonnen die momentan verdrängte Epoche der Nachkriegsarchitektur, speziell der 60er und 70er Jahre, zu vergegenwärtigen und als Teil der Geschichte im Gedächtnis zu leben?