Mit Farbe pusten und spielend die Mundmotorik fördern

Die letzten Monate habe ich viel Zeit mit den Allerkleinsten im Kindergartenalter verbracht. Mir ist aufgefallen, dass es vielen Kindern im Alter von etwa 3 bis 5 Jahren schwer fällt Laute wie s, f, v zu sprechen. Auch, wenn das nur sehr wenige Laute sind, macht es die Sprache oft unverständlich. Diese Kinder werden häufig zu Unrecht als zurückgeblieben empfunden. Tatsächlich können sie sich oft ebenso vielseitig ausdrücken wie ihre Altersgenossen, allein einzelne Buchstaben können nur schwer gesprochen werden und werden durch andere ersetzt. Kein Grund zur Panik! Diese Laute sind laut Canadischer Sprachtabelle erst später vorgesehen. Allerdings konnte ich beobachten, dass Kinder mit einer solchen sprachlichen Auffälligkeit manchmal selber unter ihrer Wahrnehmung leiden. Sie sprechen aus ihrer Sicht korrekt und können nicht nachvollziehen, warum sie nicht verstanden werden und sich oft wiederholen oder umformulieren müssen. Das kann ganz schön zu Frust führen. Aus diesem Grund können einfache und spielerische Elemente dem Kind helfen die fehlenden Laute zu formen. Insbesondere bei s, f, v, w oder ph – Lauten ist der Mangel der Aussprache dem Luftfluss geschuldet. Wenn wir diese Buchstaben einmal sprechen, fällt auf, dass sie alle beim Ausatmen entstehen. Der Luftfluss dieser Buchstaben ähnelt dem Auspusten wie beispielsweise beim Kerze löschen. Pustespiele sind deshalb ein super Mittel, um diese Lautbildung etwas zu forcieren.

Pustespiele mit Farbe

Nun wäre es einfach Federn zu pusten oder im Wasserglas mit einem Strohhalm zu blubbern. Farbenfroher geht das allerdings mit Pustebildern. Ich hatte vor einiger Zeit schon Experimente mit solchen Pustebildern gemacht und war bei der Materialsuche auf das Buch aus dem Bassermann Verlag gestoßen Pustebilder für kleine Künstler. Ein Set mit 4 Pipetten zum Dosieren der Farbe, ideal für Wasserfarbe von Norbert Pautner. Ich bin sehr dankbar, dass der Verlag mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Das empfohlene Alter liegt bei 5 bis 7 Jahren. In meiner Testgruppe hatte ich Kinder im Alter von gerade  4 bis knapp 9 Jahren. Die jüngeren Kinder brauchen anfangs noch eine Hilfestellung und insbesondere das Anrühren der Farbe, die dann in die Pipetten aufgenommen werden soll, braucht eine Hilfsperson. Ab etwa 7 Jahren können Kinder die Farben allein anrühren.

Das Buch und sein Zubehör

Ich kenne aus dieser Serie bereits den Klassiker Fingerstempeln für kleine Künstler. Bei diesem Buch war, bis auf das Zeichenpapier, alles enthalten was benötigt wird, um direkt loszulegen. Eventuell aus dieser Vorerfahrung hatte ich hier ähnliches erwartet. Das Buch kommt auf einem festen Karton und ist noch einmal separat verschweißt, da es zusätzlich eine Pappe enthält, auf der 4 Pipetten enthalten sind. Die Pipetten sind die sehr einfachen Kunststoff-Pipetten wie sie bei den meisten Kindersets (Mikroskope, Experimentierkästen usw.) enthalten sind. Diese sind sehr weich und lassen sich auch von kleinen Kindern sehr gut handhaben. Sie sind zudem sehr leicht und im Prinzip unkaputtbar.

Ich hatte irgendwie auch Farbe erwartet und war zunächst etwas ernüchtert. Ich dachte in dem Kopf der Pipette sind Farbpigmente, da die Pappe das so erscheinen ließ. Ich hatte etwas wie Ostereierfarbe im Kopf, die dann mit Wasser aufbereitet wird. Ein Blick ins Buch zeigte mir allerdings, dass ich noch zusätzlich Wasserfarbe benötige, die sehr sehr flüssig angerührt werden muss, um sie dann in die Pipette einzusaugen.

Wasserfarben haben vermutlich die meisten Eltern zuhause. Nachdem ich einen ersten Testlauf gemacht habe, kann ich empfehlen hierfür alte Farbreste zu verwenden. Wer kennt das nicht: Die Wasserfarben sind in der Mitte leer und am Rand befinden sich Farbreste, die die Kinder aber kaum angerührt bekommen und die deshalb nie verwendet werden. Für diese Verwendung sind diese Reste perfekt! Denn gerade durch die bereits gut leeren Farbnäpfe ist genügt Platz für Wasser, das zum Anrühren dringend benötigt wird.

Aber es heißt ja PUSTEbilder. Womit puste ich denn jetzt? Irgendwie dachte ich, dass wäre alles dabei. Strohhalme haben wir eigentlich nicht zuhause, das kann ich aus ökologischen Gründen nicht vertreten. Aber mir fiel das richtige ein: Wir haben Trinkflaschen mit integrierten Strohhalmen aus Silikon, die kann man auch einzeln herausnehmen. Perfekt! So etwas hätte ich allerdings gern bei dem Buch dabei gehabt. Im Buch selbst steht, es darf auch mit dem Mund pur gepustet werden. Klar geht auch aber… naja, dazu später!

Vorbereitung oder los!

Wasserglas, einen Anrührpinsel, die Pipetten, dickes (! Mindestens 100g!) Zeichenpapier in A4 oder besser größer, idealerweise einen Strohhalm und los. Eigentlich ist es selbst erklärend. Bis 7 Jahre empfehle ich das Farben anrühren durch einen Erwachsenen. Erstmal eine Farbe, diese ordentlich wässern und rühren. Wenn das Wasser eine satte Farbe bekommt ruhig noch einmal Wasser dazu und Rühren bis das Farbnäpfchen bis oben voll ist. Anschließend kann das Kind mit der Pipette das Farbwasser aufnehmen und über dem Papier die Pipette entleeren. Dann darf gepustet werden.

Je weniger Farbwasser aufgetragen wird, umso schwieriger lässt sich die Farbe auf dem Blatt mit Pusten verteilen. Allerdings ist das Blatt auch nicht gleich durchgeweicht und die einzelnen Farben vermischen sich nicht so schnell. In meiner Testrunde kamen die Kinder mit Strohhalm deutlich besser zurecht. Der Grund ist einfach: Es lässt sich gebündelt und punktgenau Pusten. Ich erwähnte eingangs den Luftfluss beim Sprechen. Nicht ohne Grund: Kleinere Kinder, die diesen Luftfluss noch nicht komplett beherrschen tun sich oft schwer beim Pusten. Durch den Strohhalm umschließen die Lippen diesen und bilden so automatisch die richtige Form, um einfacher und kontrollierter Pusten zu können. Durch den Wunsch die Farbe im Bild mal kürzer und mal weiter zu verteilen, muss er Lustfluss entsprechend kürzer oder eben länger gehalten werden. Auf diese Weise entstehen tolle Kunstwerke und ganz nebenbei wird der Luftfluss für eine gute Artikulation trainiert.

Was kommt raus und wozu das Buch

Pustebilder sind Zufallsbilder. Es braucht nicht zwangsläufig ein Buch, um diese Technik anzuleiten. Statt mit Pipetten kann die Farbe auch sehr einfach mit einem sehr nassen Pinsel aufs  Blatt getropft werden. Mit der Pipette ist es etwas kontrollierter möglich und insbesondere für sehr Kleine einfacher, da nicht willkürlich irgendwo ein Tropfen landet.

Das Buch liefert, nach einer umfassenden Anleitung über Materialzusammenstellung und dem Ablauf zum Erstellen von Pustebildern, eine reiche Sammlung an Ideen wie mit den entstandenen Pustebilder weiter verfahren werden kann. Welche Figuren können aus den Klecksen entstehen? Mit Bunt- und Bleistift können die Farbspritzer zu fantasievollen Lebewesen erweitert werden. Das Buch kann auch als Vorlage dienen exakt danach zu arbeiten und kein Zufallsbild entstehen zu lassen, sondern das Wesen aus dem Buch. Dies stelle ich mir allerdings sehr schwer vor, denn exakt eine Puste-Klecks-Form nachzubilden dürfte weitgehend unmöglich sein.