Was ist wohl das beliebteste Souvenir, welches Menschen sich von einem Ausflug, Urlaub oder einfach einem schönen Moment mit in den Alltag nehmen?

Über diese Frage habe ich tatsächlich schon eine Weile nachgedacht. Besonders touristische Plätze erinnern mich an diese Frage und drängen eine Antwort auf: ein Foto.

Bevor der Fotoapparat und inzwischen das Handy mit Fotofunktion zum massentauglichen Produkt wurden, das für jeden Urlaub unabdingbar ist, war die Postkarte das Medium der Wahl. Ursprünglich war sie das ideale Medium, um Informationen schnell und bündig weiterzuleiten. Die ersten Postkarten verfügten lediglich über ein Text- und ein Adressfeld, Fotos gab es anfänglich nicht. Zugestellt wurden die Postkarten bis zu siebenmal täglich, so dass die durchschnittliche Zustelldauer bei etwa zwei Stunden lag. Stefan May bezeichnete die Postkarte deshalb zu Recht als „SMS des 19. Jahrhunderts“. Nach Ende ihrer Karriere als Feldpost im zweiten Weltkrieg, wandelte sich die Bedeutung des Informationsmediums zu einem touristischen Instrument. Fotos des Urlaubsortes traten in den Vordergrund, um Daheimgebliebenen Impressionen der eigenen Auszeit vorzuweisen. Die kleinen Textfelder können um kurze Grüße angereichert werden. Diese Art der Urlaubskarten sind Souvenirs: An sich selbst adressierte oder leere Postkarten oder gar von den Adressaten wieder eingesammelte Karten dienen der eigenen Memoration von Urlaubserlebnissen.

Seit der Allgegenwart des Mobiltelefons sind Postkarten sichtbar verdrängt worden. MMS sind die neuen Postkarten, die dank ihres virtuellen Postweges schneller, nämlich unmittelbar, zugestellt sind. Kartenständer mit Postkarten, die in den 80er und 90er Jahren das Bild vieler Urlaubsorte geprägt haben, sind seltener geworden. In einigen Ländern bieten nur noch Touristeninformationen Karten zum Verkauf an. Das Mobiltelefon mit eingebauter Kamera hat neben der Schnelligkeit von MMS einen weiteren entscheidenden Vorteil: Es schafft es Aufnahmen zu personalisieren. Stichwort: Selfie. Welchen Anreiz bietet die Postkarte des Guggenheim in Bilbao, wenn das eigene Foto des Bauwerks mit einem Schnappschuss des eigenen Antlitz´ verifiziert werden kann?

Das Selbstbildnis in der Kunst hat eine lange Tradition. Unter dem Motto „Ich zeig mich, also bin ich“ hat die Schirn vor kurzem die Ausstellung „Das Selbstporträt in der Kunst“ gezeigt und die Diskussion der Kunstwelt zum Thema Selfie entfacht. Die Tendenz geht dahin in der unstillbaren Flut an Selfies einen Ausdruck kollektiver Narzissmus´ zu suchen, der den Verlust des Einzelnen zugunsten seines Abbildes bedeutet. Historisch betrachtet hat das Selbstporträt einen anderen Charakter: Das erste anerkannte Selbstbildnis stammt von Jan van Eyck. Es ist das als „Porträt eines Mannes“ titulierte Werk von 1433, das einen Mann mit rotem Turban zeigt. Albrecht Dürer bahnte dem Selbstporträt in der Folgezeit seinen Weg. Die Serie „Das Selbstporträt in der Kunst“ auf Arte von 2012 liefert in drei Teilen einen umfassenden Überblick über die wechselhafte und sehr spannungsreiche Geschichte. Interessant ist vor allem die Entdeckung der verschiedensten Spielweisen der Selbstinszenierung. Das kurze Auftauchen im eigenen Bild, beispielsweise als Spiegelung in Gläsern oder anderen Bildgegenständen, kann als eine Art Signatur verstanden werden.

Doch nicht nur in den klassischen Kategorien der bildenden Künste spielt das Selbstbild eine Rolle. Edgar Wallace, Alfred Hitchcock und sogar Detlev Buck spielen in „ihren“ Filmen kurze Nebenrollen oder versteckte Statisten. Wie ein Gimmick tauchen sie im Film als bewegtes Selbstporträt oder 4D-Signatur auf.

Der Ausruf „Ich war hier“ setzt zugleich eine Erinnerung an die eigene Person im momentanen Zustand, die zu jeder Zeit wieder abgerufen werden kann und in die vergangene Erlebnisse gedanklich zurückversetzt. Das Foto ist damit sicher das am besten funktionierende Souvenir überhaupt.

Über andere Erinner-Michs als das Selbstporträt berichten die Beiträge der Blogparade „Souvenirs, Souvenirs“. Es ist spannend zu sehen wie jeder sich ureigene Methoden der Erinnerung schafft und wie diese einander doch immer wieder gleichen – Epochen- und Kulturübergreifend.

 

Gefällt dir mein Blog? Erfahre noch mehr Hintergründe zu den einzelnen Themen, bekomme zusätzliche Fotos und verpasse keinen weiteren Tipp! Folge mir auf Facebook und bleib am Thema „Kunst für Kinder“ und anderen spannenden Aspekten zu Kunst ganz dicht dran. Unterstütze mich, indem du meiner Seite folgst und gern auch meine Beiträgen ein „Like“ oder einen Kommentar schenkst.