Aleatorik ist ein Wort, das man in Zusammenhang mit Kunst immer häufiger liest. Hinter diesem komplizierten Wort verbirgt sich etwas, das seinen eigenen Regeln folgt und weit weniger kompliziert ist, als man zunächst vermutet: der Zufall. Malen und Gestalten nach dem Zufallsprinzip, klingt beliebig. Kann das Unterricht sein? Kann das von Lernerfolg gekrönt sein? Kann es! Den Zufall zu beherrschen will gelernt sein und genau darum geht es bei der Aleatorik, den Zufalls zur Gestaltung nutzen, aber mit effektvollem Ergebnis und dafür gilt es einiges zu beachten. Ich habe es ausprobiert: Ein farbiges Zufallsobjekt sollte das Ergebnis sein, bis dahin waren es viele Schritte: Viele Zufälle, zunächst zweidimensionale Bildergebnisse und de Umwandlung zu einem Objekt, das bekanntlich dreidimensional ist, mussten gemeistert werden. Aber mal von Anfang an:

Ein Würfel hat sechs Seiten. Das war mir zu wenig, ich habe es verdoppelt! Einen Würfel mit 12 Seiten zu falten, also aus 12 Quadraten ist nicht möglich, und genau das war der Plan. Doch zurück zum Anfang. Ausgangspunkt war ein A3 Blatt, das gerastert wurden. 4×3 Quadrate in Reihen sollten eingezeichnet werden. Für manch einen war das schon eine Herausforderung, die zwei Doppelstunden sprengte. Jedes Quadrat sollte mit einem aleatorischen Verfahren gefüllt werden. Sinn des ganzen war es, Farbe experimentell zu erfahren und dem Zufall auf die gestalterischen Sprünge zu helfen. Ich stelle hier nur einige der 12 Farbexperimente vor. Vorgegeben waren übrigens nur 11 Experimente, das 12. Feld war frei verfügbar für eigenen Ideen.

Farbe mit Spülmittel verdicken

Farbe kann lasierend und deckend aufgetragen werden. Den Farbauftrag spielerisch erfahren lässt sich mit Wasserfarben und etwas Spülmittel. Wie verändert sich der Farbauftrag, wenn Spülmittel nach und nach beigemengt wird? Richtig, die Farbe wird cremig und damit fast schon pastös. Ein einfacher Zauber, der dennoch effektiv ist und für Verblüffung sorgt. Spannend sind auch die Schlieren, die der Farbauftrag dann ziehen kann.

Farbe pusten

Die Idee des Farbe-Pustens hatte ich in einem Blogbeitrag schon einmal näher erklärt. Hier kommt dieses Prinzip als Teil eines Gesamtkunstwerkes zum Einsatz. Ich verwende übrigens ausschließlich Strohhalme aus Pappe und vermittle den Kinder auch, warum mir wichtig ist, dass wir keine (derzeit noch günstigeren) Plastikstrohhalme verwenden. Die Strohhalme aus Pappe können halbiert werden, so dass sich die Materialkosten relativieren. Zudem sind auch die Modelle aus Pappe wiederverwendbar, falls sie nicht zerkaut werden 😉 Deshalb unbedingt kommunizieren, warum ein sorgsamer Materialumgang für die Umwelt wichtig ist. Beim Farbe pusten mussten die SchülerInnen zunächst das Papier in einer anderen Farbe grundieren. Wichtig ist, dass diese Grundierung völlig trocken ist, bevor gepustet werden kann. Beim Pusten ist die wohl größte Herausforderung im Quadrat zu bleiben! Spannend, wie SchülerInnen das lösen. Solche Problemlösestrategien sind es, die diese Technik reizvoll lassen und den SchülerInnen ein gutes Lernerlerben bescheren. Der Umgang mit der eigenen Frustration gehört wie immer auch dazu.

Farbe blubbern

Da der Strohhalm schon mal da war, kam mir die Idee Farbe zu blubbern. Wer hat nicht schon mal mit einem Strohhalm ins Glas gepustet und sich über die aufsteigenden Blasen und den folgenden Schaum gefreut?! Genau das liegt diesem Zufallsverfahren zugrunde. Ich habe lange experimentiert, um eine passende Farbmischung zu bekommen, die sich gut blubbern lässt. Damit hat es letztlich funktioniert: Aquarellfarbe aus der Tube wird mit etwas Wasser und Spülmittel in ein leeres Marmeladenglas gefüllt. Anschließend gut durchrühren. Die angemischte Farbe muss unbedingt vor dem Einsatz im Klassenzimmer getestet werden, damit die Mischung wirklich genügend Schaum bildet. Achtung: Das Ganze ist eine mittelgroße Sauerei. Alle Tische müssen gut abgedeckt werden, am besten mit mehreren Lagen Zeitungspapier. Die Kinder sollten unbedingt Malkittel tragen und ich empfehle die Arbeit in Gruppen. Ich hatte die drei Grundfarben angerührt und habe den Kindern die Auswahl der Farbe überlassen. Es war eine Sauerei, die Ergebnisse waren aber faszinierend und das Ganze für die Kinder ein tolles Erlebnis.

Mehr Bilder zu den Ergebnisse und vielen weiteren Ideen findet ihr auf meinem Instagram Account, folgt mir zur Klassenzimmerkunst!