Eine Lektüre für Klasse 5 zu finden, ist oft eine Herausforderung. Diesmal fiel es mir tatsächlich sehr leicht. Ich hatte schon im Sommer beim Recherchieren Happy, der Hund im Handy entdeckt und bestellt. Zwar hatte mich der Titel tatsächlich nicht angesprochen, aber der Klappentext. Im Buch ist Finja die Hauptperson, die sich sehnlichst einen Hund wünscht. Finja geht in die 5. Klasse und drei gute Freunde – Lenny, Omar und Wei – mit denen sie sich regelmäßig am Bachufer am Waldrand trifft. Zunehmend wird die Freundschaft von der Handynutzung beeinflusst. So ärgert sich Finja, dass mittlerweile nicht mehr das gemeinsame Zelten oder Spielen am Bach im Fokus steht, sondern der ausreichende Internetempfang. Ihre Kritik a ihren auf dem Hand daddelnden Freunden ändert sich aber schnell, als sie von Omar eine App empfohlen bekommt, die ihr das gibt, was sie sich sehnlichst wünscht: einen virtuellen Hund.

Wer sich noch an die Tamagotchi-Welle der 90er erinnert, wird sofort nachempfinden können, welches Gefühl das für Finja sein muss. Gassi-gehen, füttern, streicheln, spielen – das sind auch die Aufgaben, die Finja hat. Aber Happy ist eben kein Tamagotchi, dem irgendwann der Saft ausgeht, wenn die Batterie alle ist. Happy ist eine Künstliche Intelligenz, die sich als kostenlose App in das Leben der Nutzer schleicht, manipuliert, aushorcht, Daten abgreift und letztlich alle spionierten Daten im Internet preis gibt.

Das wirklich brisante Thema wird hier kindgerecht in eine Geschichte verpackt, die durch Aspekte wie Haustiere und Freundschaft sehr passend für die Altersklassen 4.-6. Klasse ist. Nebenbei werden die Kinder sensibilisiert für Fragen der Mediennutzung, der Nutzungszeiten und -intensitäten des Handys und Appsicherheiten. Ganz von allein stellen sich Fragen ein, ob digitale Sprachassistenten gefährlich werden können, ob installierte Apps mit personalisierter Inn-App-Werbung wirklich harmlos sind und ob sich In-App-Käufe für virtuelle Werte wie Skins lohnen. Das Buch schafft das ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Happy, der Hund im Handy ist eine leichte, unterhaltsame Lektüre, die mit 176 Seiten gut zu bewältigen ist. Sie ist empfehlenswert, um zu sensibilisieren ohne zu belehren.